18 August 2004

Bio-Ethanol: Gemische auch hierzulande bereits erhältlich

Aus Getreide, Zuckerrüben oder Kartoffeln gewonnener Alkohol soll ohne Motorschädigung mit herkömmlichem Sprit mischbar sein. Bis zu neun Volumenprozent Ethanol lassen sich demnach problemlos zusetzen. “Einige kleinere Tankstellenbetreiber mischen den Alkohol bereits zu”, so Markwart Kunz, Vorstandsmitglied der Südzucker AG. Shell und Aral-BP wollen im Winter mit einsteigen.

Die neue EU-Richtlinie, die bei Mischungen den Anteil der Bio-Treibstoffe von der Steuer befreit, schafft hier Investitionshilfe: Drei Anlagen zur Herstellung von Bio-Ethanol befinden sich derzeit im Bau. Darunter auch die der Südzucker AG in Zeitz, die im zweiten Quartal des nächsten Jahres in Betrieb gehen soll (vgl. Meldung vom 2004-06-01). 260.000 Kubikmeter des Treibstoffzusatzes werden dann dort jährlich aus Biomasse gewonnen. “Ohne die Richtlinie der EU würde niemand investieren”, verweist Kunz auf die bislang geringe Wirtschaftlichkeit von Bio-Ethanol. “Wenn der Erdölpreis weiter steigt, könnten Bio-Treibstoffe allerdings eine wirtschaftliche Alternative werden”, hofft Kunz.

Südzucker arbeitet mit hoch gezüchteten Hefen, um möglichst hohe Alkoholerträge aus dem verarbeiteten Getreide zu erzeugen. “Diese Hefen verbessern wir ständig”, erläutert Kunz. So könnten pro Tonne Weizen bisher ungefähr 375 Liter Bio-Ethanol gewonnen werden. Auch an anderen Verfahren forscht Südzucker: So könnte die bakterielle Vergärung von Stroh oder gar Hausmüll die Produktion von Bio-Ethanol noch weit rentabler machen.

Schwierigkeiten erwartet man hingegen daher, dass Alkohol sich gern mit Wasser verbindet und sich diese Feuchtigkeit problematisch auf die Verbrennung auswirkt. Daher bevorzugen Tankstellenbetreiber ein Veredelungsprodukt des Bio-Ethanols: Ethyl-Tertiär-Butylether (ETBE), das in Ölraffinerien als Nebenprodukt anfällt und bis zu 15 Prozent Beimischung erlaubt. “Vom ökologischen Gesichtspunkt her ist Bio-Ethanol allerdings dem ETBE vorzuziehen, da es einen Verarbeitungsschritt weniger benötigt und deshalb die bessere Kohlendioxid-Bilanz hat”, meint Kunz. Dies erfordere allerdings eine gründliche Trockenhaltung des Bio-Treibstoffs.

Dank Subventionshilfen in dreistelliger Millionenhöhe ist die Entwicklung in den USA und Brasilien schon weiter: Der Konzern “Iogen” in Montreal stellt bereits Ethanol aus Stroh her: Rund 340 Liter Alkohol lassen sich pro Tonne gewinnen. In den USA und Brasilien wird das Benzin schon bis zu einem Viertel mit solchen Bio-Treibstoffen gemixt – dort kann jeder Motor problemlos damit laufen.

(Vgl. Meldungen vom 2004-07-27, 2004-04-28 und 2003-11-18.)

Source: www.wissenschaft.de vom 2004-08-09.

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