15 Juli 2004

Berninger: Neue Wege zur Nutzung von Biomasse eröffnet

Realisierungsphase des "Bioenergiedorf Jühnde" wird gefördert

“Mit der weiteren Unterstützung des Bioenergiedorfs Jühnde eröffnen wir neue Wege für die Nutzung von Biomasse. Das Projekt zeigt eindrucksvoll die Chancen einer dezentralen Energieversorgung durch Biomasse. Sie bietet Landwirten eine lukrative Einkommensalternative und sorgt für klimafreundliche Energie”, erklärte Matthias Berninger, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, heute in Berlin.

Ziel des Vorhabens ist die beispielhafte Demonstration einer weitgehenden Umstellung der Wärme- und Stromversorgung des Ortes Jühnde auf Basis von Biomasse. Zu diesem Zweck sollen eine Biogasanlage mit Blockheizkraftwerk, ein Holzhackschnitzelheizwerk und ein Nahwärmenetz von ca. 5.600 m Länge errichtet werden. Als Substrat bzw. Brennstoff werden Gülle, Pflanzensilage und Getreideschrot sowie Holzhackschnitzel eingesetzt.

Für vorbereitende Arbeiten und Planungsarbeiten zur Realisierung des Projekts hat das Bundesverbraucherministerium bisher eine Million Euro eingesetzt. Die Dorfgemeinschaft hat in dieser Phase ein gemeinsames und schlüssiges Konzept zur dezentralen Energieversorgung erarbeitet. Das Ministerium beteiligt sich nunmehr auch an der Finanzierung der Investitionen mit einem Förderbetrag von 1,3 Millionen Euro. Damit soll die Errichtung des Nahwärmenetzes als wichtigem Bestandteil des Projekts unterstützt werden. Mit diesem Schritt sind gute Voraussetzungen für die Realisierung des Projekts geschaffen worden, so dass nun die Jühnder über die Umsetzung des Projekts abschließend entscheiden können.

Über das Nahwärmenetz wird es möglich, heute mit fossilen Brennstoffen versorgte Gebäude zukünftig auf der Basis von Biomasse zu versorgen. Des Weiteren wird bei diesem Projekt elektrische Energie, die heute weitgehend aus fossilen Ressourcen gewonnen wird, durch Strom aus Biomasse ersetzt. Umweltverträgliche Konzepte zum Anbau der für die Biogasanlage benötigten Pflanzen (zum Beispiel Mais, Triticale, Sonnenblumen) sowie die Nutzung von Ganzpflanzen sollen die Belastungen der Böden und des Grundwassers zum Beispiel mit Nitrat deutlich verringern. Das geplante Projekt trägt damit zu einer nachhaltigen Gestaltung der Energieversorgung bei.

Durch die Umstellung der Energieversorgung auf regenerative Energieträger werden die Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid reduziert. Ersetzt werden insbesondere Heizöl und aus fossilem Energiemix hergestellter Strom. Die CO2-Einsparung wird auf 3.300 Tonnen pro Jahr geschätzt. Damit kann über das Vorhaben auch ein direkter Beitrag zur CO2-Minderung erbracht werden.

Die gemeinschaftliche Bewältigung der mit der Umstellung und dem Betreiben der Anlagen verbundenen Aufgaben stärkt die grundlegende Struktur des ländlichen Raumes. Durch die dauerhafte Schaffung der Nachfrage nach lokal verfügbaren Energieträgern wie Gülle, Ackerpflanzen und Holz haben die Landwirte und die Forstwirtschaft die Möglichkeit, sich neben der Nahrungs- und Futtermittelproduktion eine weitere Einkommensquelle zu eröffnen. So wird dauerhaft und direkt die regionale Wertschöpfung gestärkt.

Besonders innovativ ist der Gesamtansatz des Projekts. In für Deutschland beispielhafter Weise werden nachhaltige Lösungsmöglichkeiten der dezentralisierten Energieversorgung im ländlichen Raum unter Einbeziehung aller Partner und bei gleichzeitiger Stärkung und Fortentwicklung der ländlichen Strukturen aufgezeigt. Durch geeignete Verfahren der Motivierung, der kollektiven Meinungsbildung und Entscheidungsfindung haben alle Einwohner die Möglichkeit, an dem Projekt teilzunehmen und bei den Planungen und der realen Umstellung mitzuwirken.

(Vgl. Meldung vom 2004-07-13.)

Source: BMVEL-Pressemitteilung Nr. 178 vom 2004-07-14.

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