5 März 2007

BBK: Biokraftstoffe sind Hoffnungsträger für arme Länder

Biospritexperten reagieren mit Unverständnis auf irreführende Artikel in den Massenmedien wie “Erntedank im Autotank” u.ä., die zu zahlreichen Anfragen beim Bundesverband Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe e.V. (BBK) und den angeschlossenen 12 weiteren Verbänden geführt haben.

Der BBK möchte daher folgende Darstellungen richtig stellen:

  • 1. Biodiesel und Pflanzenöl aus Raps, die mit mehr als 3,8 Mio t Gesamtproduktion 90% der heutigen deutschen Biokraftstoffbranche ausmachen und 13% des gesamten deutschen Dieselverbrauchs betragen, werden aus klimapolitischer Sicht journalistisch unausgewogen und negativ dargestellt. Gleiches gilt für Bioethanol aus Getreide. Man scheint zu vergessen, dass Biodiesel, Pflanzenöl und auch Bioethanol CO2-neutral sind, d.h. keine Zusatzbelastung an CO2 für die Atmosphäre bringen. Somit sind sie insbesondere im Verkehrsbereich die effektivsten Klimaschutzmaßnahmen unserer heutigen Zeit.

  • 2. Die morgigen Kraftstoffe Bio-Erdgas, Synthese- und Enzymkraftstoffe, die auch mit Hochdruck von Seiten des BBK zusätzlich in den Markt gebracht werden sollen, sind zwar vom Potenzial und der Gesamtenergiebilanzbetrachtung her überlegen, aber leider technologisch noch nicht so ausgereift, dass sie die jetzigen Biokraftstoffe nur annähernd in den nächsten 10 Jahren quantitativ ergänzen können. Nur Bioerdgas könnte mit seiner hervorragenden Energie- und Flächenbilanz mit der vorhandenen Technologie umgehend große Erdgasimporte substituieren. Für eine großtechnische Umsetzung fehlen aber noch die gesetzlichen Voraussetzungen.

    Um Biodiesel, Pflanzenöl und Bioethanol kommt man aufgrund ihrer vorhandenen Struktur in keinem Fall herum, wenn man es mit dem Klimaschutz ernst meint!
    Nebenbei betrachtet, haben Biodiesel und Pflanzenöl in Deutschland zum Aufbau von mehr als 100.000 Jobs beigetragen.

  • 3. Tortillas kontra Biosprit: In einigen Artikeln wird dem Leser suggeriert, dass Biosprit den Hunger und die Armut in den Entwicklungsländern schürt. So soll die verstärkte Bioethanolproduktion in den USA der Grund für enorme Preiserhöhungen für Lebensmittel in Mexiko – wie den Tortillas – und damit armutsfördernd sein. Auch diese Aussage ist falsch!

    Biokraftstoffe haben mit Sicherheit einen Einfluss auf die Nachfrage nach Getreide und Ölpflanzen am Markt und erhöhen die Preise. Diese Tendenz ist aus entwicklungspolitischer Sicht jedoch positiv zu sehen, da vor allem Millionen von Kleinbauern endlich auskömmliche Preise für ihre Produkte erhalten, um ihre Familien zu ernähren. Dieses betrifft vor allem Millionen von Kleinbauern in Mexiko, die mehr als froh über die Biokraftstoffentwicklung sind. Sie können jetzt endlich ihre früher aufgrund zu niedriger Getreidepreise nicht bewirtschafteten Äcker bestellen.

    In Tansania/ Afrika sind z.B. bis vor kurzem 2/3 der gesamten landwirtschaftlichen Fläche gar nicht bewirtschaftet worden, weil die billigen Getreidepreise dieses nicht erlaubten. Die Folge war die Landflucht der Kleinbauern mit Entstehung von Slums in den Vorstädten in Südamerika, Mexiko, Afrika und nahezu allen Entwicklungsländern.

    Eine konsequente gesetzliche Überwachung von Importen, wie sie in den aktuellen bundesdeutschen Gesetzen festgelegt ist, muss trotzdem baldmöglichst umgesetzt werden. Unser Verband überwacht schon heute die Lieferströme seiner Mitglieder, um Importe aus ökologisch bedenklichen Regionen zu vermeiden. Urwaldrodungen und Brandrodungsgebiete sind für uns schon lange Ausschlusskriterien. Weltweit ist die Urwaldrodung, die maßgeblich aufgrund des Raubbaus an Tropenholz geschehen ist, nahezu durch den World Wide Fund for Nature (WWF) und die Weltbank gestoppt worden. Biokraftstoffe waren nie der vordringliche Grund dafür. Trotzdem schützen wir schon heute unsere Mitglieder gegen solche Gefahren durch eine Zertifizierung der Importströme.

    Wie bei dem deutschen Bäcker beträgt der Kostenanteil des Getreides am Gesamtpreis des Brotes gerade mal 6-7%. Viel anders sieht das Verhältnis bei den Tortillas auch nicht aus. Mindestens 80% der Differenzmargen dürften auch hier bei den Großbäckereien und Handelsketten bleiben. Sie finden immer Gründe nach deftigen Preiserhöhungen und versuchen dieses geschickt der Presse zu kommunizieren.

    Aufgrund der jahrelangen internationalen Erfahrungen der Verbandsmitglieder, auch in der Kontrolle von Biokraftstoffimporten, konnte man den überaus positiven Effekt von Biokraftstoffen auf die ländliche Entwicklung in den ärmsten Ländern der Welt feststellen. Wer den Entwicklungsländern das einzige, was sie verkaufen können, nimmt – und das sind oft Biokraftstoffvorprodukte – schadet den Ärmsten der Armen.

    Biokraftstoffe, wie Pflanzenöl und Bioethanol, stellen für viele arme Länder weltweit die einzige wirtschaftliche Hoffnung dar und sind seit vielen Jahren ein Schwerpunkt deutscher Entwicklungshilfe. Dieses sollte auch zukünftig so bleiben, da es dort, wo Biokraftstoffe erzeugt werden, keinen Hunger mehr gibt, denn durch die in großen Mengen verfügbaren Getreide und Pflanzenöle sind die Nahrungsmittelpreise niedrig.

Kontakt
Peter Schrum, Präsident
Bundesverband Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe e.V.
Zum Wasserwerk 12
D-15537 Erkner

Tel.: +49 (0) 3362 / 8859 100
Fax: +49 (0) 3362 / 8859 110
E-Mail: info@biokraftstoffe.org

(Vgl. Meldungen vom 2007-02-23, 2007-02-22, 2007-01-30 und 2007-02-23.)

Source: Bundesverband Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe e.V., 2007-03-05.

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