19 Oktober 2007

BBK: Biodiesel stützt weltweite Proteinversorgung

Peter Schrum: Ansteigender Proteinbedarf erzeugt Überschuss an Pflanzenöl

Auf die Bedeutung der proteinreichen Koppelprodukte bei der Biodiesel- und Bioethanolproduktion für die Futtter- und Nahrungsmittelversorgung sowie die Wirtschaftlichkeit der Biokraftstoffherstellung weist Peter Schrum vom Bundesverband Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe (BBK) hin:

Grundsätzlich ist der Rapsmarkt durch zwei wichtige Marktmechanismen in Deutschland und weltweit gekennzeichnet: Weltweiter Anstieg des Proteinbedarfes durch die Wohlstandserhöhung vor allem in Indien/ China und dem damit steigenden Bedarf an Milch, Milchprodukten, Fleisch und Wurstwaren. Hierdurch ergeben sich zwangsläufig bei der Produktion von Protein erhebliche Überschüsse an Pflanzenöl. Soja stellt hierbei die weltweit dominante Ölfrucht dar, gefolgt von Raps.

Pflanzenöl das nicht im Foodbereich abgesetzt werden kann, findet seine Verwendung im Energie- (Kraft-Wärme-Kopplung), Mobilitäts- und zu 80% im Biodiesel-Bereich. Allein Deutschland verbraucht 30 Mio t Diesel pro Jahr. Die Biodieselproduktionskapazität beträgt derzeitig 5 Mio t/a, so dass noch ein erheblicher Substitutionsbedarf besteht.

Mit jedem Liter Biodiesel und Bioethanol wird Eiweißfutter produziert
Bei der Produktion von 1 Liter Biodiesel aus Raps werden immer 1,4 kg Proteinfutter, bei 1 Liter aus Soja immer 3,8 kg Proteinrohstoff zur Milch-, Fleisch- und Wurstproduktion erzeugt. Ähnlich ist es bei Bioethanol, wo bei der Herstellung von 1 Liter Bioethanol 1 kg Eiweißfuttermittel entsteht.

Proteinnachfrage treibt Biodieselproduktion
Die Erhöhung der Nachfrage bei der Welt-Eiweißproduktion insbesondere in Indien und China ist, wie beschrieben, ein wichtiger Grund für den weltweit wachsenden Biodieselmarkt. Das heißt, die Kraftstoffe Biodiesel, Pflanzenöl und Bioethanol entstehen immer aus den Food-Produktionslinien und werden durch die Bedarfssteigerung auch in Zukunft in immer größeren Mengen anfallen.

Regionaler Absatz für Proteinfutter optimiert Wirtschaftlichkeit der Biodieselproduktion
Wir werden aus den dargelegten Gründen einen weiteren Ausbau der Verarbeitungskapazitäten, vor allem im Pflanzenölbereich, in Europa haben. Hierbei ist die Verlagerung der Ölpressen-Standorte an die Häfen oder in das Ausland eine klare Tendenz. Pressen sollten jedoch betriebswirtschaftlich immer dort installiert sein, wo die Ölpflanzen angebaut und geerntet werden. Voraussetzung ist aber der Proteinfutterabsatz in der Region. Auch hier gilt die Regel, dass Transportkosten für Pflanzenöl zu minimieren sind, wenn es der Absatzmarkt für Protein erlaubt.

Derzeitig sind nach der gegenwärtigen deutschen Gesetzeslage deutsche Biodieselanlagen in ihrer Wirtschaftlichkeit extrem belastet. Die Betriebe, die gleichzeitig auch Ölpressen betreiben, gleichen ihre Verluste im Biodieselbereich z.T. dadurch aus, dass sie Rapsexpeller (Eiweißfutter) derzeitig gut am Markt absetzen können.

Ethanol: Absatz des Eiweißfutter entscheidend für internationale Wettbewerbsfähigkeit
Bei allen Ethanolanlagen ist der Absatz des Eiweißfutters entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber ausländischen Standorten. Das bedeutet, dass nur längerfristige Verträge mit der Futtermittelindustrie zur wirtschaftlichen Stabilität von Investitionen beitragen. Des Weiteren wird der Absatzmarkt von Pur Ethanol als E85/ E100 für die heimische Bioethanolwirtschaft von großer Bedeutung werden. Dieser Markt entwickelt sich derzeitig gut. Er wird wachsen und mittelfristig für stabile Absätze sorgen.”

Anmerkung der Redaktion: Der Text gibt Aussagen von Peter Schrum aus einem Schreiben an die Agrarzeitung Ernährungsdienst vom 27.8.207 gekürzt wieder. Der Wortlaut des Briefes steht hier als PDF-Dokument zur Verfügung.

Kontakt
Bundesverband Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe (BBK)
Peter Schrum (Präsident)
Zum Wasserwerk 12
15537 Erkner
Tel.: 03362-885 91 00
Fax: 03362-885 91 10
E-Mail: info@biokraftstoffe.org

(Vgl. Meldungen vom 2007-06-07 und 2007-03-02.)

Source: Bundesverband Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe (BBK), 2007-08-27.

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