9 Mai 2008

BBK: Aktuelle Informationen zu den Biokraftstoffen in Deutschland und ihre Verbindungen zur Nahrungsmittelproduktion

Derzeitig findet in vielen Medien eine oberflächliche und größtenteils sachlich falsche Darstellung der Biokraftstoffe statt, indem Biokraftstoffe oft für die steigenden Nahrungsmittelpreise und die Abholzung der Regenwälder verantwortlich gemacht werden. Dieses ist vielfach unrichtig. Die heutigen Getreidepreise sind auf einem Niveau wie vor 25 Jahren. Durch eine falsche Subventionspolitik der EU und der USA mit Direktzahlungen an Landwirte sind jahrzehntelang die Weltgetreidepreise auf einem Tiefpunkt gehalten worden. Damit wurde es den Entwicklungsländern schwer gemacht, ihre landwirtschaftlichen Strukturen zu entwickeln. Landflucht der ländlichen Bevölkerung und die Bildung von Slums in den Vorstädten waren die Folge.

Der heutige rasante Anstieg der Weltgetreidepreise ist maßgeblich auf die verstärkte Nachfrage nach Getreide, Futtermitteln, Öl etc. aus den extrem wachsenden asiatischen Ländern, insbesondere China und Indien, zurückzuführen. Diese Länder haben angefangen, europäische Ess- und Lebensgewohnheiten anzunehmen und mehr Milch- und Fleischprodukte zu verbrauchen. Dadurch ist der Futtermittelbedarf für die landwirtschaftliche Tierhaltung enorm gestiegen, was dazu führt, dass erheblich mehr Getreide und Ölpflanzen zur Eiweißversorgung angebaut werden. Vor allem Ölpflanzen wie Raps und Soja sind hierbei wegen ihres hohen Eiweißgehaltes in großen Mengen gefragt.

Raps wird zu 2/3 und Soja zu 4/5 als Eiweißfuttermittel verarbeitet. Diese würden aufgrund der Nachfrage nach Nahrungsmitteln auch angebaut werden, wenn es keine Biokraftstoffe gäbe. Bei dieser Eiweißfuttermittelproduktion fällt ein Überschuss an Pflanzenöl an, der nicht mehr in der Foodkette vermarktbar ist. Aus diesem Überschuss wird weltweit Biodiesel produziert.

Rein-Biodiesel ist leider seit der Einführung der Energiesteuer in Deutschland nicht mehr am Markt. Da der deutsche Biodiesel-Markt aus Steuergründen das überschüssige Pflanzenöl der Eiweißproduktion nicht mehr verwerten kann, wird wohl zukünftig deutscher Raps zum Großteil exportiert. Das ist ein Dilemma, da wir allein durch Biodiesel B 100 bis zu 15% des Diesels – der bei unseren Mitgliedern nie Palmöl enthalten hat – ersetzen konnten. Stattdessen haben wir heute per Biokraftstoffquotengesetz verordnete Biomischkraftstoffe am Markt, die sehr wohl Beimischungen von Pflanzenölen aus ökologisch bedenklichen Regionen der Erde beinhalten können und die nahezu vollständig importiert werden.

Bei Agraralkohol (Bioethanol) stellt sich die Sache ähnlich dar. In Europa wird Bioethanol hauptsächlich aus Zuckerrüben und Schadgetreide, das für die Nahrungs- und Futtermittelproduktion schlecht verwertbar ist, hergestellt. Als Koppelprodukt aus der Ethanolproduktion in Europa entsteht ebenfalls hochwertiges Eiweißfutter zur Herstellung von Milch- und Fleischprodukten. Auch für Agraralkohol favorisieren wir deshalb die “Reinkraftstoffe” wie E 85, die vorwiegend aus der einheimischen Futtermittelproduktion stammen. Aufgrund der Kopplung an die Nahrungsmittelproduktion sind Rein-Biodiesel B 100 und E 85 mit über 50% CO2-Einsparungen gegenüber fossilen Kraftstoffen ökologisch zu bewerten. Sie können zukünftig einen großen Beitrag zur Mobilitätssicherung leisten.

Bitte unterstützen auch Sie, wie vor 2 Jahren, die Rein-Biokraftstoffe in Deutschland und nehmen auch Sie Einfluss auf unsere Bundesregierung, die derzeitig Mischkraftstoffe favorisiert, die bezüglich ihrer Herkunft schwieriger kontrollierbar sind. Mit den Mischkraftstoffen sind die Angriffe auf die Biokraftstoffe überhaupt erst entstanden, wobei Rein-Biokraftstoffe als Nebenprodukte der Nahrungsmittelproduktion in reiner Form einen erheblich besseren Schutz vor ökologischen schwarzen Schafen bieten. Denn die Rohstoffe von Rein-Biokraftstoffen kommen größtenteils aus der einheimischen Produktion und schließen ökologisch und ökonomisch sinnvolle Kreise.

Biokraftstoffe sind heute weltweit Neben-, Koppel- oder Abfallprodukte der Nahrungsmittelkette und werden anfallen, solange diese produziert werden – also immer! Es wäre sowohl ökologisch als auch volkswirtschaftlich unsinnig, sie nicht zu nutzen, um erdölbasierte Kraftstoffe zu ersetzen. Biokraftstoffe wie Biodiesel, Pflanzenöl und Bioethanol sind als Neben- oder Abfallprodukte der Nahrungsmittelkette nie die Wettbewerber zu diesen, sondern unterstützen die günstige Produktion von Nahrungsmitteln, weil sie eine wirtschaftliche Resteverwertung darstellen.

Bitte helfen Sie zukünftig, Bio-Reinkraftstoffe und insbesondere die in Not geratenen Biodiesel B 100 und Pflanzenöl, aber auch deutschen Bioethanol so darzustellen, dass sie nicht in den gleichen Topf geworfen werden mit ökologisch schwer kontrollierbaren Kraftstoffen aus Übersee.

PDF-Downloads:
1. Reinkraftstoffe statt Mischkraftstoffe
2. IFEED_Biomasse_als_Chance_30.4.08.pdf

Kontakt
BBK Bundesverband Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe e.V.
Peter Schrum
Zum Wasserwerk 12
15537 Erkner
Tel.: +49 (0) 3362 / 8859 100
Fax: +49 (0) 3362 / 8859 110
Mobil: +49 (0) 170 / 330 72 66
E-Mail: info@biokraftstoffe.org

(Vgl. Meldung vom 2008-05-08.)

Source: BBK Bundesverband Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe e.V., 2008-05-07.

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