2 März 2007

BBE: Bioenergie-Boom ist kein Selbstläufer

Bundesverband BioEnergie fordert Verstetigung des Marktwachstums

Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet schneller voran als erwartet, so die Meldung des Bundesumweltministers vom 27.02.2007. Ihr Anteil am Primärenergieverbrauch konnte in 2006 auf 5,3 % erhöht werden. Dieser Erfolg gehe nach Angaben des BBE nicht zuletzt auf den Boom der Bioenergie zurück. So basiert der Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrssektor vollständig auf Biokraftstoffen, im regenerativen Wärmemarkt dominieren biogene Energieträger mit 94 %, nahezu ein Viertel des regenerativ erzeugten Stroms kommt aus Bioenergieanlagen. In 2006 konnten dabei sowohl der Strom-, als auch der Wärme- und Kraftstoffmarkt enorme Zuwachsraten verbuchen. Die Bioenergie deckt damit heute bereits 70 % des regenerativen Endenergiebedarfs.

So konnte der Biodieselabsatz in Deutschland um 1 Mio. Tonnen auf 2,8 Mio. Tonnen gesteigert, die Produktion von Bioethanol auf 500.000 Tonnen gar verdoppelt werden. Im Wärmemarkt wurden 55.000 Holzheizkessel verkauft, allein der Bestand an Holzpelletheizungen konnte um 25.000 Stück auf 70.000 Anlagen erhöht werden. Zudem wurden innerhalb eines Jahres mehr als 1.000 neue Biogasanlagen und 40 Biomassekraftwerke errichtet. Alles in allem wurden so mehr als 8 Mrd. Euro in der Bioenergie-Branche umgesetzt und damit nach Angaben des BMU 91.000 Personen beschäftigt.

Diese positive Entwicklung ist jedoch kein Selbstläufer. Ursache dieses raschen Marktwachstums waren förderliche Rahmenbedingungen für die Bioenergie in 2006. “Stark volatile Notierungen für Rohöl einerseits und Änderungen im Förderinstrumentarium für die Bioenergie auf der anderen Seite gefährden jedoch nach wie vor den Aufbau eines soliden und verlässlichen Marktes, Investitionen in den Bioenergiemarkt bleiben unter diesen Umständen riskant”, mahnt Helmut Lamp, Vorstandsvorsitzender des BBE. Wie schnell sich das Blatt wenden könne, zeige der seit Einführung der Teilbesteuerung zu beobachtende Einbruch des Biodieselmarktes in Deutschland.

Entgegen den Erwartungen der Bundesregierung haben die Rohölpreise seit Einführung der Steuer auf Biodiesel Mitte 2006 deutlich nachgegeben. Während somit Biodiesel auf der einen Seite teurer wird, sinken auf der anderen Seite die Preise für Dieselkraftstoff und damit der Kaufanreiz für den klimafreundlichen Kraftstoff. Die Folgen dieser Besteuerungspolitik sind erhebliche Umsatzeinbrüche der noch jungen Biodieselbranche und die Schließung der mit öffentlichen Geldern subventionierten Produktionsanlagen.

“Die Biodieselbranche steht mit dem Rücken an der Wand” kommentiert Lamp die derzeitige Situation. Der BBE wiederholt daher seinen dringenden Appell an die Politik, unter den gegebenen Rahmenbedingungen die Teilbesteuerung für Biokraftstoffe umgehend auszusetzen und die starren Steuersätze in Anlehnung an eine regelmäßige Unterkompensationsrechung in dynamische Steuersätze überzuführen, so dass die Besteuerung flexibel auf sich ändernde Rohstoffpreise reagieren und der Markt sich weiter entwickeln kann.

Auch im Wärmemarkt steht der Marktausbau auf tönernen Füßen. Wichtigste Motivation zum Kauf eines biogenen Heizsystems ist ein hoher Ölpreis. Jedoch ist gerade dieser von 78 $/Barrel noch im August 2006 wieder auf unter 55 $/Barrel im Januar 2007 gesunken. Zwar bieten staatliche Investitionszuschüsse beim Kauf einer Holzheizung wichtige Kaufanreize und haben maßgeblich zur derzeitigen Marktentwicklung beigetragen.

Die Mittel des Marktanreizprogramms sind jedoch alljährlich Gegenstand von Haushaltsdebatten und zudem bereits früh erschöpft. Für die Unternehmen des biogenen Wärmemarktes bieten solch wechselhaften Rahmenbedingungen keine Sicherheiten, in den erforderlichen Ausbau der Produktionskapazitäten zu investieren. Daher fordert der BBE die Regierungskoalition auf, den zahlreichen Ankündigungen zur Einführung eines verlässlichen und budgetunabhängigen Förderinstruments für den regenerativen Wärmemarkt nun endlich auch Taten folgen zu lassen.

Wie wichtig verlässliche Rahmenbedingungen für den Aufbau des Bioenergiemarktes sind, zeigt das Erfolgsmodell EEG im Strommarkt. Differenzierte Vergütungssätze, Anreizsysteme zur Nutzung Nachwachsender Rohstoffe und innovativer Technologien und vor allem die langfristige Planungssicherheit haben zu einem unvergleichlichen Marktwachstum der Branche geführt. “3.500 Biogasanlagen und 160 Biomassekraftwerke spiegeln deutlich den Erfolg des EEG wider”, so Lamp. Doch längst sind auch hier nicht alle Potenziale erschöpft. Daher gilt es, das EEG auch über 2007 hinaus fortzuschreiben und gemäß den Markterfordernissen effizient weiterzuentwickeln.

(Vgl. Medlungen vom 2007-01-16 und 2007-02-01.)

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Bundesverband BioEnergie e.V. (BBE)
Godesberger Allee 142-148
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Tel.: 0228/ 81 002-22
Fax: 0228/ 81 002-58
Mail: siegmund@bioenergie.de

Source: Bundesverband BioEnergie e.V. (BBE), 2007-03-02.

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