2 August 2006

Bayern: Ethanol als Kraftstoff etablieren

Aktivitäten bayernweit vernetzen

Gut 40 Teilnehmer konnte C.A.R.M.E.N. am Mittwoch, den 26. Juli 2006, zu einem Abstimmungstreffen bezüglich Bio-Ethanol in Straubing begrüßen. Das bei der Einführung eines neuen Kraftstoffes immer wieder thematisierte “Henne-Ei-Problem” konnte in Straubing bereits erfolgreich gelöst werden.

Die Frage, ob man dem Verbraucher ein Ethanol-taugliches Fahrzeug anbieten kann, ohne dass entsprechende Tankstellen vorhanden sind, bzw. eine Ethanol-Tankstelle einrichten soll, wenn es noch keine Fahrzeuge auf den Strassen gibt, stellt sich in der Gäubodenstadt nicht mehr.

Im Rahmen der Straubinger Bio-Ethanol-Initiative, die sich im Dezember 2005 zusammengefunden hat, konnte im Mai 2006 eine erste Ethanol-Tankstelle beim Autohaus Reinholz in Ittling eingerichtet werden. (Vgl. Meldung vom 2006-02-01.)

Fahrzeuge sind beim Autohaus Griesbeck erhältlich, der Mineralölhändler Diermeier ist für die Kraftstofflogistik zuständig und gemeinsam mit der Firma Röhrer um die Tankstellengenehmigung bemüht. Die Stadt Straubing als Stadt der Nachwachsenden Rohstoffe, die biomasse GmbH im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe und C.A.R.M.E.N. haben sich für die Gründung der Initiative eingesetzt und koordinieren u.a. Veranstaltungen und die Öffentlichkeitsarbeit.

Inzwischen sind im Landkreis Straubing-Bogen schon neun Fahrzeuge zugelassen, die mit der Ethanol- tauglichen Flexible-Fuel-Vehicle (FFV)-Technik ausgerüstet sind. Die FFV-Fahrzeuge können mit Ethanol oder Super-Benzin in jedem beliebigen Mischungsverhältnis betankt werden, so dass auch bei einem sich im Aufbau befindlichen Tankstellennetz, das derzeit deutschlandweit aus etwa 20 Tankstellen besteht, keine Einschränkungen in der Reichweite eines FFV-Fahrzeugs vorhanden sind.

In Ittling wurden schon 8.000 l Ethanol, das in Form von E85, einem Gemisch aus 15 Prozent Super- Benzin und 85 Prozent Ethanol angeboten wird, verkauft. Neben den hiesigen FFV-Fahrzeugen tanken viele Autofahrer aufgrund des günstigeren Preises Ethanol zu. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten, da in Deutschland Herstellerfreigaben bisher nur für FFV-Fahrzeuge von Ford und Saab erteilt wurden.

Motorumrüstungen sind ebenfalls möglich, wie Hubert Maierhofer von C.A.R.M.E.N. in seinem Kurzreferat vorstellte. Ein einheitliches Konzept hierfür ist bislang aber nicht vorhanden. Informationen sind z.B. über die Internetseite www.e85.biz erhältlich. Er selber hat bereits Erfahrungen mit der erfolgreichen Umrüstung seines Motorrollers gesammelt.

Überhaupt könnten sich neben dem Fahrzeugmarkt auch im Bereich von Kleinmotoren ein guter Markt für Ethanol entwickeln, z.B. für Motorboote und Kettensägen oder für Rasenmäher und Mopeds.

Bei der Umrüstung von bestehenden Zapfsäulen für den Vertrieb von Ethanol gibt es einiges zu beachten, wie Ludwig Röhrer als Fachplaner für Tank- und Waschtechnik erklärte. “Für jede Tankstelle gibt es eine Lösung”, fasste Röhrer nach der Vorstellung der zu beachtenden Faktoren seine bisherigen Erfahrungen zusammen.

Auch von Dr. Thomas von Tucher vom Bayerischen Brennereiverband räumte dem Ethanol an Zapfsäulen gute Chancen ein. Ein Versuch mit dem Rund-um-die-Uhr-Betrieb einer Brennerei über mehrere Wochen hatte gezeigt, dass der Einsatz von Energie-, Hilfs- und Betriebsmitteln zugunsten der Produktionskosten deutlich reduziert werden konnte.

Benedikt Sprenker von der Grünes Zentrum Agrar-Service GmbH aus Warendorf in Nordrhein-Westfahlen, stellte seine Erfahrungen mit der Bündelung von Brennereien zur Kraftstoffproduktion vor. Dort haben sich bestehende Brennereien zusammengeschlossen, die aus dem Brandweinmonopol ausgeschieden sind. Als Sprecher dieser Bündelung kümmert sich Sprenker um die Organisation von Absolutierung, Vermarktung, Lieferung und Verkauf.

Über die “Vornorm DIN EN 15376 für Ethanol biologischen Ursprungs als Blendkomponente in Ottokraftstoffen” referierte Bernward Husemann vom Straubinger Wissenschaftszentrum. Neben den allgemeinen Anforderungen befinden sich allerdings auch viele entsprechende Prüfverfahren noch in der Vornorm.

Stefan Welter von den Ford Werken referierte über die Markteinführung der FFV-Technologie. Die Modifikationen am Fahrzeug wie Ventile, Ventilsitze und eine stärkere Benzinpumpe resultieren in einem Preis von gut 300 Euro im Vergleich zum Basismodell, der ohne Zuschlag an den Kunden weiter gegeben werde. Das selbstgesetzte Ziel von 1.500 verkauften FFV-Fahrzeugen in 2006 könne leicht erreicht werden, so Welter optimistisch.

Über die Informationsbereitstellung im Internet konnte Markus Reichenberg einiges erläutern. Neben der Auflistung von Tankstellen, FFV-Fahrern und FFV-Autohäusern, können sich unter www.ethanol-statt-benzin.de auch an der FFV-Technik Interessierte registrieren.

Informationen rund um Ethanol und die Straubinger Initiative sowie Recherchemöglichkeiten und Informationen zu bisherigen Veranstaltungen stehen auf der C.A.R.M.E.N.-Website www.carmen-ev.de im Bereich Energie/Projekte zum Abruf bereit.

Infos:
C.A.R.M.E.N. e.V.
Hubert Maierhofer
Schulgasse 18
94315 Straubing
Tel. 09421/960-300, Fax: -333
E-Mail: [email protected]

(Vgl. Meldungen vom 2006-07-28 und 2006-03-20.)

Source: C.A.R.M.E.N.-Pressemitteilung vom 2006-08-02.

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