14 März 2008

Bayern: Clusterstudie Forst und Holz vorgestellt

200 Teilnehmer in Straubing auf C.A.R.M.E.N.-Forum

Unter dem Motto “Bayerische Wälder – Klimaschutz und Wirtschaftsfaktor” veranstaltete C.A.R.M.E.N., die bayerische Koordinierungseinrichtung für Nachwachsende Rohstoffe, am 10. März 2008 sein 15. Forum im Straubinger Herzogschloss. Kooperationspartner war der Bayerische Waldbesitzerverband, die berufsständische Vertretung des privaten, kommunalen und kirchlichen Waldbesitzes.

Laut Bayerns Forstminister Josef Miller machen sich derzeit vier Herausforderungen mit ungeheurer Dynamik bemerkbar, der Hunger nach Nahrung und Wasser, der Hunger nach Energie, der Erhalt der biologischen Vielfalt und die Abmilderung der Folgen des Klimawandels. Zu allen diesen Punkten können Land- und Forstwirtschaft wertvolle Beiträge leisten. Neben der reinen Holzproduktion hat der Wald noch weitere wichtige Funktionen, als Ruhe- und Erholungsraum für Menschen und Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen sowie die Erfüllung von Schutzfunktionen wie Boden-, Trinkwasser- oder Hochwasserschutz.

Die bayerische Forstpolitik verfolgt hier den Ansatz der naturnahen Forstwirtschaft auf ganzer Fläche, um eine klimaschonende Holznutzung und Arbeitsplätze zu sichern sowie den ländlichen Raum zu stärken. Mit einer Cluster-Studie wurde erstmals eine umfassende Branchen- und Strukturanalyse für die Forst- und Holzwirtschaft in Bayern erstellt, in die alle Akteure einbezogen wurden.

Cluster Forst und Holz in Bayern
Die Ergebnisse der Studie wurden auf dem C.A.R.M.E.N.-Forum von Dr. Gabriele Weber-Blaschke vom Lehrstuhl für Rohstoff- und Energietechnologie der TU-München erstmals vorgestellt. Dazu wurden, bezogen auf das Jahr 2006, die Holzströme in Bayern analysiert. An die Sägeindustrie werden demnach die größten Holzanteile geliefert. Der Privatwald ist größter Nadelholzlieferant für die bayerische Holzindustrie, Laubholz wird überwiegend aus bayerischem Staatsforst geliefert. Insgesamt wird bayerisches Holz zu 2/3 stofflich und zu 1/3 energetisch verwertet. Die konkreten Ergebnisse werden in Kürze im Internet unter www.rohstofftechnologie.de bereitgestellt.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Forstwirtschaft in Bayern erläuterte Olaf Schmidt, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Anhand sogenannter Klimahüllen verdeutlichte Schmidt, dass sich die Buche zwar weiterhin in Bayern wohlfühlen wird, für die Fichte, die etwa 44 Prozent Anteil am bayerischen Nadelholz besitzt, wird es jedoch in Zukunft zu warm werden. Eine forstliche Zukunftsaufgabe besteht darin, diesen Anteil zu senken, um die Anfälligkeit der Wälder zu mindern.

Holz und Klimaschutz
“Klimaschutz durch High-Tech-Häuser aus der Natur”, lautete das Referatsthema von Robert Bergmüller von der Bergmüller Holzbau GmbH aus Bayerbach. Auch wenn Bergmüller anhand seiner einleitenden Umfrage feststellen musste, dass nur wenige der dem Wald sehr verbundenen Forumsteilnehmer selber in einem Holzhaus wohnen, hat sich der Holzhausbau insgesamt doch schon einen Anteil von 15 Prozent unter den Neubauten erobert. Die Gründe hierfür sind vielfältig, z. B. dass es möglich ist, Holzhäuser als Kraftwerke zu konzipieren, die mehr Energie produzieren als sie verbrauchen und sich dabei an den Vorbildern aus der Natur orientieren.

WPC: Biowerkstoffe aus Holz
Wood Plastic Composites (WPC) als innovativer Allround-Werkstoff wurden von Dr. Jürgen Kreiter von der Werzalit GmbH vorgestellt. Diese modernen Kunststoffe aus Holzspänen und Polymeren wie Polypropylen besitzen durchaus Zukunftspotenzial. Vorteile sind z. B. die holzähnlichen Eigenschaften bei der Verarbeitung mit gleichzeitig hoher Witterungsbeständigkeit. Einsatzgebiete können im Spritzgussverfahren hergestellte PKW-Bauteile sein, aber auch Terrassenplatten oder Paletten.

Dr. Ralph Lehnen von der Uni Hamburg präsentierte Phenol-Formaldehyd-Harze auf Basis Nachwachsender Rohstoffe. Diese Harze werden in Formteilen, Lacken oder Automobilteilen eingesetzt. Etwa drei Millionen werden weltweit unter Verwendung von Rohöl produziert. Nachwachsende Rohstoffe auf Basis von Lignin oder Tannin können Rohöl hier teilweise oder auch vollständig ersetzen, dennoch ist noch ein erheblicher Forschungs- und Entwicklungsbedarf hinsichtlich der Konkurrenzfähigkeit von Klebstoffen auf Nawaros-Basis erforderlich.

Holz als Brennstoff
Viel weiter ist bereits der Markt für Holzpellets entwickelt. Über die Wertschöpfung am Pelletmarkt berichtete Thomas Schmidmeier von der Straubinger Firma CompacTec GmbH. Bei Betrachtung der Ölpreisentwicklung steht für die CompacTec der Slogan “Pellets statt Öl” im Vordergrund. Konsequente Markenpflege, Internet und Maximalpreisgarantie sollen dem Unternehmen bei der wirtschaftlichen Entwicklung helfen.

Die Brennstofflogistik war Thema von Volkmar Schäfer von der eta Energieberatung GbR. Er machte deutlich, dass es einen bundesweiten Handel mit Energieholz und Waldhackschnitzeln derzeit noch nicht gibt. Besonders im Privatwald liegen größere flächenbezogene Mengenpotenziale, bei deren Vermarktung Forstbetriebsgemeinschaften und Waldbauernvereinigungen helfen können.

Über das Thema “Ressource Wald – Potenzial und langfristige Sicherung” referierte Dr. Herbert Borchert von der LWF. Auf Grundlage der Bundeswaldinventuren wurden Nutzungsszenarien für die Entwicklung des Holzaufkommens über einen Zeitraum von 30 Jahren entwickelt. Aufgrund von klimaschutzbedingten Waldumbaumaßnahmen sowie durch Trockenheit und Borkenkäferbefall könnten die Holzvorräte der Fichte abgebaut werden. Schnellwachsende Baumarten können helfen, dass Rohholzpotenzial zu erhöhen.

Dr. Rudolf Freidhager von der Bayerischen Staatsforsten AöR berichtete über die Holzvermarktung. Datenerhebungen der Staatsforsten zeigen einen geringeren Zuwachs im bayerischen Staatswald als die Bundeswaldinventur angibt. Die Bayerische Staatsforsten wird auf dem Holzmarkt in den nächsten Jahren eher weniger Holz anbieten. Dabei wird sich die Vermarktungsstrategie eher in Richtung langfristige Verträge mit Groß- und Kleinkunden entwickeln.

Die “Vermarktung von Biomasse am Beispiel Hackschnitzel” erläuterte Karl Oberschmid von der Planko-Bio-Net GmbH & Co. KG. Die Potenziale Erneuerbarer Energien sind in allen Sparten noch ausbaufähig. Im Heizbereich wird Biomasse eine Schlüsselrolle spielen, weshalb hier weiterhin Arbeitsplätze entstehen werden. Dabei gewinnen Hackschnitzelheizungen zunehmend an Bedeutung. Die öffentliche Hand sollte hier weiter beispielgebend vorangehen.

Ein Tagungsband zur Veranstaltung für 15,95 Euro (zzgl. MwSt. und Versand) ist bei C.A.R.M.E.N. erhältlich. Die Vorträge können hier auf der C.A.R.M.E.N.-Homepage heruntergeladen werden.

Kontakt
C.A.R.M.E.N. e.V.
Tel.: 09421-960-300
E-Mail: contact@carmen-ev.de

(Vgl. Meldungen vom 2008-03-10 und 2006-04-24.)

Source: C.A.R.M.E.N. e.V., Pressemitteilung, 2008-03-14.

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