6 Oktober 2009

BAV und VHI: Priorität für stoffliche Nutzung von Altholz!

Altholzverwerter und Holzwerkstoffindustrie gegen BMU-Anreizprogramm für Holzenergie

Der Bundesverband der Altholzaufbereiter und -verwerter e. V. (BAV) und der Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie e.V. (VHI) nehmen zu den aktuellen Maßnahmen und Projekten der Politik zum weiteren Ausbau der energetischen Nutzung von Biomasse kritisch Stellung. Die Mitglieder des BAV verarbeiten über 80% des deutschen Altholzes und verwerten dieses zu ca. 80% energetisch und zu ca. 20% stofflich. Der VHI vertritt über 70% der Hersteller von Holzwerkstoffen.

Mit Sorge sehen der BAV und der VHI die Anstrengungen des Bundesumweltministeriums, mittels seines Marktanreizprogrammes den Ausbau der Nutzung von Holz und Altholz als Biomasse zur energetischen Nutzung über den bisher erreichten Status hinaus weiter zu forcieren.

Ulrich Schieferstein, Vorstandsmitglied des BAV, weist darauf hin, dass die jüngst veröffentlichten Prognosen des Deutschen Biomasse-Forschungszentrums (DBFZ) bereits für 2020 eine Unterdeckung von knapp 20 % der benötigten Holzmenge gegenüber der dann zur Verfügung stehenden Holzmasse voraussagen. Die Prognosen berücksichtigen dabei bereits die Mobilisierungsreserven aus dem Wald ebenso wie die voraussichtliche Verbrauchssteigerung u. a. bedingt durch den weiteren Ausbau von Anlagenkapazitäten im Bereich der energetischen Nutzung von Holz als Biomasse. Eine Aussage, die selbst vom Bundesverband BioEnergie (BBE) nicht bestritten wird und der deshalb mit seinem Forderungskatalog vom 24. September 2009 eilfertig die Förderung von Kurzumtriebsplantagen (KUP) fordert, die die prognostizierte Deckungslücke schließen sollen.

Dr. Peter Sauerwein, Geschäftsführer des VHI, weist darauf hin, dass die einseitige Förderung der Holzenergie-Potentiale von Kurzumtriebsplantagen – ohne Vorrang der stofflichen Verwertung – sinnlos ist.

Aus diesem Grund halten BAV und VHI die vom BBE propagierte Strategie für enorm risikobehaftet und zwar nicht nur im Sinne der Verbraucher, die heute möglicherweise angehalten werden, für die Zukunft auf den falschen Brennstoff zu setzen. Auch im Sinne der Umwelt ist eine weitere Förderung von Biomasse als Energieträger der Zukunft über den bisherigen Status hinaus eher als kontraproduktiv zu bezeichnen. Denn jede Art der unmittelbaren Verbrennung von Biomasse – ob Holz, Energiepflanzen oder anderer Stoffe – setzt ebenso wie die Verbrennung von fossilen Energieträgern sofort und unmittelbar das klimaschädliche CO2 frei. Dieses wurde zwar zuvor beim Wachstum von Baum und Pflanze aus der Atmosphäre aufgenommen, könnte jedoch durch sinnvolle stoffliche Nutzung des Holzes zunächst im Stoffkreislauf gebunden werden.

Warum, so fragt der Vorsitzende des BAV Uwe Groll, wird der seit hunderttausenden von Jahren bewährte natürliche Werkstoff Holz nicht zunächst verstärkt als CO2- Speicher genutzt, statt ihn sofort in den Ofen zu stecken? Einzig der gezielte und dringend zu forcierende Ausbau der stofflichen Nutzung von Holz in Verwertungskaskaden, d.h. der Nutzung von Holz in aneinander anschließenden Nutzungszyklen, ist wahrer Klimaschutz.

Ganz am Ende dieser Kaskade kann das Holz dann natürlich auch noch energetisch genutzt werden – aber nicht früher. Erst sind also sämtliche Reserven der stofflichen Nutzung dieses fantastischen Werkstoffes und damit seine CO2-Speicherfunktion voll zu nutzen. Holz anzubauen, möglicherweise sogar in einer Weise, die unter umwelt- relevanten Gesichtspunkten eher kritisch zu würdigen ist, um es dann gleich in den Ofen zu fahren, ist ein “Holzweg”, der diesem Werkstoff, seinen technischen Nutzungsmöglichkeiten und seinem CO2-Minderungspotential nicht annähernd gerecht wird.

Daher befürworten der BAV und der VHI, dass die bisherige Bundesregierung durch den Aktionsplan zur stofflichen Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen den dringend notwendigen Ausgleich schafft, um eine Nutzungskonkurrenz, wie bei den biogenen Treibstoffen bereits geschehen, möglichst schnell aufzulösen.

Der BAV und der VHI sehen in der vermehrten stofflichen Nutzung von Holz in allen Lebensbereichen auch Synergien zur energetischen Verwertung und erhöhte Biomassepotentiale. So entstehen durch die Produktion neuer Holzprodukte und damit beim Ersatz z. B. alter Holzmöbel gleichzeitig Althölzer, die je nach Qualität erneut stofflich oder energetisch genutzt werden können.

Uwe Groll fordert daher von der neuen Bundesregierung, die zusätzliche Förderung der unmittelbaren energetischen Nutzung von Holz kritisch zu hinterfragen und zusätzlich Maßnahmen zu ergreifen, um insgesamt die stoffliche Nutzung von Holz weiter voran zu bringen und dem Recycling entgegenstehende Regelungen und Vorschriften zu reduzieren und zukünftig zu vermeiden. Es ist völlig widersprüchlich, einerseits gesetzlich die Reduzierung von Holzabfällen zu fordern (z. B. Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz, Gewerbeabfallverordnung, Verpackungsverordnung) und gleichzeitig zu fördern, dass Holz direkt und ohne Zusatznutzung verbrannt wird. Hier ist ein grundlegender Paradigmenwechsel notwendig.

Der BAV und der VHI bieten der neuen Bundesregierung an, kurzfristig Sondierungs- gespräche aufzunehmen, um aufzuzeigen, wo das Geld des Steuerzahlers mit der sinnvolleren Zielorientierung, nämlich im Sinne der Umweltschonung, der Schaffung von Arbeitsplätzen und der sachlich richtigen Orientierung des Verbrauchers, wie die Umwelt zu schützen ist, einzusetzen ist:

Vorrangig ist die stoffliche Nutzung von Holz und hochwertigen Altholzqualitäten, die sinnvolle energetische Verwertung steht dann am Ende der Nutzungskette.

Source: Bundesverband der Altholzaufbereiter und -verwerter e. V. (BAV) und Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie e.V. (VHI), Pressemitteilung, 2009-10-05.

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