11 Dezember 2003

Baumwollproduktion und -verarbeitung in 2003

Die aktuellen Schätzungen für die Weltbaumwollproduktion in der Saison 2003/04 belaufen sich auf 20,3 Mio. Tonnen, eine Mio. Tonnen bzw. 5% höher als in der letzten Saison. Der Baumwollverbrauch wird auf 20,7 Mio. Tonnen prognostiziert und damit zum ersten Mal seit fünf Saisons abnehmen (-300.000 t). Die Schätzungen der Endbestände wurden um 400.000 Tonnen zurückgenommen; das Volumen dürfte auf den mit 8,1 Mio. Tonnen niedrigsten Wert seit 1994/95 fallen.

Der durchschnittliche Cotlook-A-Index im Saisonvergleich lag während der ersten vier Monate 2003/04 bei 68,5 cents/lb. Im Hinblick auf die Situation von Versorgung und Nachfrage dürfte der Cotlook A Index in der Saison 2003/04 einen Durchschnitt von 65 cents erreichen.

Die durchschnittlichen Baumwollpreise werden zum ersten Mal seit sechs Saisons nahe am Langzeitdurchschnitt von 70cCents liegen. Die Produktion 2004/05 dürfte hierdurch angekurbelt, der Spinnereiverbrauch wiederum begrenzt werden. In der nächsten Saison wird die Baumwollerzeugung voraussichtlich ein Rekordvolumen von 21,8 Mio. Tonnen erreichen (plus 1,5 Mio. Tonnen) und die Verarbeitung damit um geschätzte 1,1 Mio. Tonnen übersteigen. Bei normalen Wetterbedingungen wird die Baumwollerzeugung in der VR China voraussichtlich um 1,2 Mio. auf beachtliche 6,2 Mio. Tonnen zunehmen. Mögliche Folge: ein Rückgang der chinesischen Nettoimporte. Man erwartet eine Abnahme um 200.000 auf 950.000 Tonnen. Das globale Stocks-to-use-Verhältnis (Bestand/Verbrauch) ohne die VR China könnte in der nächsten Saison von 56% in der Saison 2003/03 auf bis dato noch nie verzeichnete 61% ansteigen. Unter diesem Einfluss wird der Saisondurchschnitt des Cotlook A Index 2004/05, so die Prognose, auf 53 cents sinken. Im Vergleich zur laufenden Saison wird der Index also um voraussichtlich 12 cents niedriger notieren. Aufgrund höherer Preise wird die globale Verarbeitung 2003/04 außerhalb der VR China von den 14,6 Mio. Tonnen der letzten Saison auf voraussichtlich 14,2 Mio. abnehmen.

Die Lücke zwischen Produktion und Verarbeitung in den anderen Ländern wird sich im Vergleich zur letzten Saison um 800.000 Tonnen verkleinern, mit der Folge, dass 2003/04 ein geringeres Potenzial für den Export (ohne VR China) zur Verfügung stehen wird.

Die Importe der VR China werden den derzeitigen Prognosen zufolge signifikante 1,2 Mio. Tonnen erreichen, bei einem Anteil von ca. 60% US- Baumwolle – entsprechend dem Volumen der letzten Saison. Die U.S. Ausfuhren dürften 2003/04 bei 2,6 Mio. Tonnen resp. 39% der globalen Ausfuhren bleiben.

Große Zunahmen der Baumwollproduktion 2003/04 werden für Indien (+440.000 im Vergleich zur Vorsaison) USA (+210.000 Tonnen), Brasilien (+185.000 Tonnen) und die afrikanische Franc-Zone (+110.000 Tonnen) erwartet. Diese Zuwächse werden die rückläufigen Ernten in Australien und Usbekistan (Prognose: -100.000 t) mehr als ausgleichen. Eine offizielle chine-sische Schätzung steht noch aus, man erwartet derzeit ein Produktionsvolumen von 5 Mio. Tonnen (+80.000). Die Erzeugung in Xinjiang lag Berichten zufolge bei einem Rekord von 1,6 Mio. Tonnen.

Das US-Handelsministerium verhängte für drei Textilkategorien Schutzzölle, um WTO-Verhand-lungen mit China zwecks Begrenzung der Einfuhren in die USA zu beginnen. Die Möglichkeiten, den Handel effektiv zu beeinflussen, wird begrenzt sein, da der Wert der mit Beschränkungen belegten Produkte (Strickwaren, Büstenhalter, Morgenmäntel) lediglich 5% der Textilausfuhren der VR China im ersten Dreivierteljahr betrifft. Die Verarbeitung in der VR China hingegen zeigt ein stetes Wachstum. Die gesamte Garnproduktion der ersten drei Monate war um 14% höher als im letzten Jahr und um 36% höher als im Vergleichszeitraum 2000. Für die USA ist VR China der größte Anbieter von Textilien und Bekleidung. In den ersten neun Monaten 2003 nahm das Volumen an in die USA exportierten Textilien um 51% zu, im Bekleidungsbereich um 81%. Ein begrenztes Angebot von Baumwolle sowie steigende Preise bewirkten im Oktober jedoch einen Rückgang der Garnproduktion auf den niedrigsten Wert seit Mai 2003 – in diesem Monat wurde das Verarbeitungsvolumen von SARS beeinflusst. Die Garnproduktion lag weiterhin 9% über dem Ausstoß des Vergleichsmonats 2002. Geht man davon aus, dass in der laufenden Saison der Anteil von Chemiefasern in der Garnproduktion auf 38,5% ansteigt, so dürfte die gesamte Verarbeitung in der VR China, inklusive 400.000 Tonnen nicht versponnenen Materials, in der laufenden Saison 6,5 Mio. Tonnen erreichen (plus 100.000), in der nächsten 6,7 Mio..

Die weltweite Verarbeitung außerhalb der VR China fiel von 14,9 Mio. Tonnen in der Saison 1999/00 auf 14,6 Mio. Tonnen 2001/02 und stagnierte 2002/03. Der Spinnereiverbrauch 2003/04 (ohne VR China) wird aufgrund gestiegener Preise voraussichtlich auf 14,2 Mio. Tonnen zurückgehen, für die Saison 2004/05 schätzt man derzeit 13,9 Mio., ein 10-Jahres-Tief.Per 20.11.03 überstiegen die US-Exportverschiffungen den Wert des Vergleichszeitraums des Vorjahres um 45.000 Tonnen (10%). Die gesamten Verpflichtungen von 1, 75 Mio. Tonnen lagen um 480.000 Tonnen (37%) höher in der Vergleichsperiode 2002/03. Die Exportverpflichtungen in die VR China erreichten 650.000 Tonnen, ein fünfmal größeres Volumen und 60% mehr als die gesamten Verschiffungen 2002/03. Im Gegensatz hierzu waren die Exportverpflichtungen in andere Länder 4% niedriger als per 21. November des Vorjahres. Die US-Exportverschiffungen außerhalb VR China nahmen 2002/03 auf 2,2 Mio. Tonnen ab (- 150.000 Tonnen).

Die Lücke zwischen Produktion und Verarbeitung in den Ländern (ohne VR China) wird sich im Vergleich zur letzten Saison um 800.000 Tonnen verkleinern, mit der Folge, dass 2003/04 voraussichtlich ein geringeres Potenzial für den Export (ohne VR China) zur Verfügung steht. Die chinesischen Importe werden den derzeitigen Prognosen zufolge signifikante 1,2 Mio. Tonnen erreichen, mit einem Anteil von ca. 60% US-Baumwolle, vergleichbar der letzten Saison. Step-2-Zahlungen an Exporteure und inländische Verarbeiter von US-Baumwolle fielen in einem Monat von 6 cents auf 1 cent/lb, da die Quoten für U.S. Baumwolle den kollabierenden NY Futures folgten. Die U.S. Ausfuhren werden 2003/04 voraussichtlich bei 2,6 Mio. Tonnen resp. 39% der weltweiten Ausfuhren bleiben.

Im Laufe der letzten 12 Monate bis November 2003 schwächelte der Dollar im Vergleich zu den Währungen der meisten Baumwolle produzierenden oder importierenden Länder. Teilweise glich dies den Preisanstieg in Dollar bei der Umrechnung in die lokalen Währungen aus, ausgenommen VR China und Mexiko.

Die US-Industrie geht davon aus, dass die Exporteure der VR China, die in die USA ausliefern, vom Vorteil ihrer unterbewerteten Währung profitieren. Seitens des Internationalen Währungsfonds heißt es jedoch, dass es zu diesem Zeitpunkt keinen klaren Nachweis für eine wesentliche Unterbewertung des Yuan gebe. Da der Yuan an den Dollar gekoppelt ist, verbessert der Verlust der US-Währung die Konkurrenzfähigkeit der chinesischen Exporte auf dem US-Markt auf Kosten der anderen Länder.

Aktuelles zur Baumwollwirtschaft beim International Cotton Advisory Committee (ICAC)

Source: Cotton Report - Wochenbericht der Bremer Baumwollbörse, Nr. 47/48, 2003-12-05

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