2 Februar 2011

Baumwollpreis innerhalb zwei Jahren vervierfacht

Trend zeigt weiterhin nach oben

Der unglaubliche Preisauftrieb bei Agrarrohstoffen setzt sich immer weiter fort. Extrem zeigt er sich bei Baumwolle. Ihr Preis ist zumindest an der Intercontinental Exchange in New York auf Sicht eines Jahres um etwas mehr als 160 Prozent auf zuletzt 1,745 Dollar je Pfund oder auf umgerechnet 2,78 Euro je Kilogramm gestiegen, seit zwei Jahren hat er sich vervierfacht. Seit Anfang des laufenden Jahres ist Baumwolle um weitere 25 Prozent teurer geworden und kostet inzwischen so viel wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Selbst auf diesem hohen Niveau zeigt der Trend weiterhin nach oben. Denn es setzen in dem mit einem Wert von inzwischen knapp 97 Milliarden Dollar relativ kleinen und engen Markt immer wieder frische Spekulationen darauf ein, dass das gegenwärtige Angebot nicht ausreiche, um die Nachfrage aus China zu decken.

Der Baumwollmarkt ist spekulativ erhitzt …
Die spekulative Er- und Überhitzung lässt sich – ähnlich wie in vielen anderen Rohstoffmärkten – unter anderem an der im Trend zunehmenden Anzahl an gehandelten und offenen Kontrakten an den Terminbörsen ablesen.

An Spitzentagen werden bis zu 180.000 Kontrakte gehandelt, die rund 16 Prozent der im laufenden Jahr erwarteten Weltjahresproduktion an Baumwolle entsprechen. Da gleichzeitig die Anzahl der offenen Kontrakte zwar im Trend zunimmt, jedoch unterdurchschnittlich bleibt, lässt sich das hohe Handelsvolumen kaum mit Absicherungsstrategien erklären.

Trotz der unheimlich Preissteigerungen und des hohen Preisniveaus bleiben Marktteilnehmer überaus optimistisch und rechnen mit weiteren Preissteigerungen. Im Moment sei das Angebot so knapp, dass zumindest auf Sicht nichts den Auftrieb stoppen könne, erklärte zum Beispiel Hiroyuki Kikukaw von IDO Securities in Tokio der Nachrichtenagentur Bloomberg. Angesichts einer schwachen Ernte in Pakistan, der Exportrestriktionen und gehäuften Hortung in Indien sowie der hohen Nachfrage aus China werde der Preis vorerst hoch bleiben, erklärt Analyst Evren Kopelman von Wells Fargo Securities. Schließlich werde aber zunehmendes Angebot auf den Markt kommen, da hohe Preise die Produktion förderten.

Tatsächlich findet die Baumwollernte rund um die Welt zu unterschiedlichen Jahreszeiten statt. Danach muss sie weiterverarbeitet und an die Verbrauchsorte, also die Spinnereien, transportiert werden. Diese brauchen einen stetige Versorgung mit dem Rohmaterial, während das Angebot von August bis Oktober abnimmt.

… obwohl die Lagerbestände voraussichtlich ausreichen
Letztlich müssen die Lagerbestände Ende Juli das Defizit zwischen Verbrauch und kommender Ernte ausgleichen können. Im Juli des Jahres 2011 werden nach Schätzungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums 42,5 Millionen Ballen Baumwolle nötig sein, um Versorgungsprobleme zu vermeiden. Das ist genau die Menge, die nach aktuellen Schätzungen auch tatsächlich verfügbar sein wird. Allerdings darf es zu keiner Enttäuschung kommen.

Während der Markt kurzfristig auf eine Unterversorgung spekuliert, hängt die Preisentwicklung bei Baumwolle mittelfristig von der wirtschaftlichen Entwicklung, der Einkommen der Konsumenten, von Energie- und Düngemittelpreisen. vom Wetter sowie von der Preisentwicklung bei anderen Agrarrohstoffen wie Mais, Weizen, Soja oder Erdnüssen abhängen. Immerhin können Landwirte im bestimmten Regionen zwischen dem Anbau verschiedener Früchte wählen. Sollte der Marktpreis einer aus dem Rahmen fallen, würde die Anbaufläche überproportional ausgedehnt oder gekürzt werden. Mit entsprechenden Angebots- und Preisfolgen in der folgenden Ernteperiode

Langfristig dagegen wird die Entwicklung der globalen Fasernachfrage vom Wachstum der Weltbevölkerung und zunehmendem Wohlstand in den Schwellenländern bestimmt. Nach Schätzungen des amerikanischen Baumwollverbandes wird die Fasernachfrage weltweit um drei bis vier Prozent jährlich zunehmen. Die Menge produzierter Naturfasern soll sich vom Jahr 2000 bis ins Jahr 2050 verdrei- bis vervierfachen. Um das in einer sozial, ökologisch und ökonomischen Form möglich zu machen, sind Innovationen notwendig.

Source: FAZ.net, 2011-02-02.

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