4 Dezember 2008

Bauernverband und Biospritbranche kritisieren Bioenergiegutachten des Regierungs-Beirats

Nicht nur Strom, sondern auch Kraftstoffe aus Biomasse notwendig

Das neue Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen stieß auf scharfe Kritik beim Deutschen Bauernverband (DBV), beim Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) und bei der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP). “Die Klimabilanz von Raps, dem wichtigsten Rohstoff für die Biokraftstoffproduktion, wird in dem Gutachten völlig falsch bewertet, denn es wird eine einjährige Betrachtung vorgenommen. Die entscheidende Stärke von Raps liegt jedoch in der mehrjährigen Fruchtfolge und im Beitrag zur Fruchtbarkeit und Regeneration des Bodens. Das Gutachten beachtet also landwirtschaftliche Grundsätze nicht, so dass die politischen Empfehlungen nicht haltbar sind”, erklärte DBV-Generalsekretär Dr. Helmut Born.

Der Beirat empfahl zudem, Biomasse nur zur Stromerzeugung zu verwenden und dafür auf die Kohlenutzung zu verzichten. Damit könnten sehr viel mehr CO2-Emissionen eingespart werden. Auf Biomasse zur Kraftstoffherstellung sollte dann verzichtet werden. “Damit liegen die Wissenschaftler falsch. Denn sie übersehen, dass die CO2-Bilanz bei Biokraftstoffen erheblich besser ist, als bei fossilen Kraftstoffen auf der Basis von Rohöl. Denn bei der Ölverbrennung wird immer der gleiche Durchschnittswert in der CO2-Bilanz herangezogen, unabhängig von der Herkunft oder ob der Kraftstoff aus Rohöl oder Ölsand hergestellt wurde. Biokraftstoffe ersetzen heute aber zunehmend das unter großem technischen Aufwand gewonnene Öl aus Ölsanden, deren CO2-Bilanz sehr viel schlechter ist – auch als die Bilanz von Kohle. Die Rechnung des Wissenschaftlichen Beirats geht also nicht auf”, sagte VDB-Geschäftsführer Johannes Lackmann. Es sei irrational, wenn Biomasse ausschließlich für die Stromgewinnung genutzt wird, während das Öl weltweit knapper werde.

“Zur Stromgewinnung gibt es neben der Bioenergie auch Alternativen wie Wind- oder Solarenergie, bei der Ersetzung von fossilen Kraftstoffen im Mobilitätsbereich in den kommenden zehn Jahren nicht”, betonte Lackmann. “Bis 2020 werden voraussichtlich nur eine Million Elektroautos in Deutschland fahren, insgesamt gibt es etwa 41 Millionen PKW.”

Auch eine vom Beirat kritisierte Veränderung der Landnutzung durch Abholzung von Urwald oder Trockenlegung von Sümpfen aufgrund der Biokraftstoffproduktion ist zumindest für Europa falsch. “In der EU werden Palm- und Sojaöl als Rohstoffe für die Biokraftstoffproduktion dann verboten, wenn kein nachhaltiger Anbau nachgewiesen ist”, stellte DBV-Generalsekretär Born fest. “Durch diese Nachhaltigkeitsverordnung werden die Biokraftstoffe eine Vorreiterrolle in der nachhaltigen Produktion einnehmen.”

Source: "Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB)", Pressemitteilung, 2008-12-04.

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