26 Juli 2006

Bank Sarasin: Biokraftstoffe mit Vorbehalt verantwortbar

Biodiesel und Bioethanol gelten momentan als die Alternative für fossile Treibstoffe. Ihre rasante Entwicklung bietet jedoch nicht nur Chancen, sondern birgt auch Risiken. Die neueste Studie der auf Nachhaltigkeitsforschung spezialisierten Bank Sarasin zeigt, dass auch aus Pflanzen gewonnenes Diesel und Ethanol Mensch und Umwelt erheblich belasten können. Aus Sicht der Bank Sarasin sind Biokraftstoffe nicht immer so ökologisch und sozial verträglich, wie es ihr Name vermuten lässt.

Die auf Vermögensverwaltung, Anlageberatung und Nachhaltigkeitsthemen spezialisierte Bank Sarasin & Cie AG zeigt in ihrer aktuellsten Studie “Biokraftstoffe – erdölfreie Fahrt in die Zukunft?” die Grenzen der Entwicklung von Biokraftstoffen auf. Aus der umfassenden Sicht der Nachhaltigkeit sind gewisse Massnahmen unerlässlich, um auch weiterhin von «Bio»-Energie sprechen zu können. Einzudämmen sind vor allem Risiken durch Monokulturen, die verstärkte Regenwaldrodung sowie die kritischen Arbeits- und Sozialbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Hinzu kommt, dass die für die Rohstoffpflanzung frei verfügbare Landfläche ohnehin begrenzt ist und deren Anbau in direkter Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht.

Auffallende Nachfrage – Angebot beschränkt

Die hohen Ölpreise der letzten Monate haben dazu geführt, dass der Bedarf an alternativen Biokraftstoffen stark gestiegen ist. In der EU sowie den USA und Brasilien werden Biodiesel und -ethanol stark gefördert. “Wir beobachten seit einiger Zeit, dass die Aktienkurse der Unternehmen aus der Biokraftstoffbranche aufgrund der hohen Branchenerwartungen von Investoren deutlich gestiegen sind”, so Matthias Fawer-Wasser, Nachhaltigkeitsanalyst bei der Bank Sarasin & Cie AG.

Trotz des Ziels der Europäischen Kommission, bis zum Jahr 2010 insgesamt 5,75 Prozent des Treibstoffverbrauchs mit Biodiesel und -ethanol abzudecken, bleibt die Bank Sarasin skeptisch. “Wir sehen die Zukunft der Industrie nüchtern, da deren Entwicklung rasch an natürliche Grenzen stossen wird.” Bevor nicht neue technologische Entwicklungen eine bessere Ausbeute der Biomasse ermöglichen, wird der umwelt- und sozialverträgliche Einsatz von Biokraftstoffen in der EU und den USA maximal 5% des derzeitigen Benzin- und Dieselverbrauchs abdecken können.

Effektivere Technologien erforderlich

Die Bank Sarasin hat daher bei ihrer Nachhaltigkeitsanalyse im Rahmen der Studie insbesondere optimierte Pflanzensorten und neue Technologien zur effektiveren Herstellung von Biokraftstoffen positiv bewertet. “Bei der Ethanol-Produktion helfen beispielsweise neue, enzymatische Verfahren auch aus der Zellulose von Stroh und Stielen der Pflanzen Bioethanol zu gewinnen”, erklärt Matthias Fawer-Wasser, Verfasser der Studie.

Gemäss der Studie sollten nachhaltige Anleger Unternehmen favorisieren, die auf Bioethanol oder auf die Entwicklung einer zweiten Kraftstoffgeneration wie etwa BtL (Biomass-to-Liquid) fokussieren. Bezüglich Rohstoffbasis sind Firmen mit einem Einkauf aus lokalen Anbaugebieten und kurzen Transportwegen zu bevorzugen.

Nachhaltigkeitskriterien für Erfolg entscheidend Etliche Biokraftstoffproduzenten bemühen sich mittlerweile sowohl um den Einsatz neuer Technologien, als auch um einen regionalen Einkauf sowie Sozial- und Umweltstandards in der Produktion. Sie versuchen, den derzeitigen Anteil von Biokraftstoffen am globalen Rohölverbrauch von 0,8 Prozent in den kommenden Jahren stark auszubauen.

Eine zweite Generation von Biokraftstoffen wie Cellulose-Ethanol oder Biogas bewertet die Bank Sarasin aus nachhaltiger Sicht allgemein besser, da die Ausbeute pro Hektar grösser ist und eine Vielzahl von Pflanzen zur Produktion verwendet werden können. Für eine dauerhaft positive Entwicklung am Finanzmarkt wird daher langfristig entscheidend sein, ob die Produzenten von Biokraftstoffen Nachhaltigkeitskriterien für die Beschaffung und Herstellung berücksichtigen. Denn nur so ist das ‘Bio’ im Namen der Kraftstoffe wirklich gerechtfertigt.

PDF-Download der Studie

(Vgl. Meldung vom 2006-03-18.)

Kontakt
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Sustainability Research
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Fax. +41/61/277 7303
E-Mail: [email protected]

Source: nachhaltigwirtschaften.net vom 2006-07-25.

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