15 März 2010

Ausbau der industriellen Biotechnologie als Innovationstreiber

"Bioeconomy 2020" soll Europas industrielle Zukunft durch nachhaltige Technologien sichern

Die Potenziale der industriellen Biotechnologie / Forderungen für eine Selbstverpflichtung der Industrie / Expertenkolloquium mit dem Europäischen Verband für nachwachsende Rohstoffe und Produkte (ERRMA), dem Verband der Chemischen Industrie, Landesverband Hessen sowie mit der Wirtschaftspolitischen Gesellschaft (WiPOG e.V.) im FIZ Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie.

“Es besteht akuter Handlungsbedarf im Bereich der Biowissenschaften und insbesondere in der industriellen Biotechnologie, um nicht von den bisherigen und neuen Konkurrenten beispielsweise aus den BRIC-Staaten überholt zu werden”, sagte Dr. Christian Patermann, Mitglied des Forschungs- und Technologierates der Bundesregierung, bis Ende 2007 Direktor und Leiter Biotechnologie der Generaldirektion Forschung der EU-Kommission.

Wie die industrielle Biotechnologie zur Stärkung der europäischen Industrie beitragen kann, wurde gestern im FIZ Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie diskutiert. Veranstalter waren der Europäische Verband für nachwachsende Rohstoffe und Produkte (ERRMA) mit dem Verband der Chemischen Industrie, Landesverband Hessen und der Wirtschafts-politischen Gesellschaft (WiPOG e.V.).

“Noch verfügt Europa über exzellente Forschungsgrundlagen und eine starke chemische Industrie, die gut vernetzt und im Bereich der Biowissenschaften auch führend ist. Diese Vorteile gilt es zu halten und mit der industriellen Biotechnologie zu verstärken”, ergänzt Dr. Christian Patermann.

Als ermutigende Signale wertet Dr. Christian Patermann die neue EU-“FlagshipInitiative “Innovation Union”, die am 26. März 2010 von den EU-Staats- und Regierungschefs behandelt wird. Darin wird ein “European Innovation Partnership” zwischen der EU und den nationalen Regierungen gestartet. Dies schließt die Errichtung der “Bioeconomy 2020″ ein, um Europas industrielle Zukunft durch neue Technologien zu sichern.

In der Innovationsstrategie Europa 2020 wurden biobasierte Produkte unter anderem als Leitmarkt definiert und sogar im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist die Bedeutung der Bioökonomie hervorgehoben. Der eigens dafür gegründete Bioökonomierat unter Leitung der Bundeskanzlerin hat die Aufgabe, eine international wettbewerbsfähige Strategie zu einer wissensbasierten Bioökonomie zu erarbeiten und umzusetzen.

Mikroorganismen, Enzyme und Pflanzen als nachwachsende Rohstoffe werden zur Grundlage für moderne umwelt- und energieschonende Produkte und Herstellungsverfahren. Hier werden bereits in der Praxis bestehende Technologien miteinander verknüpft und mit anderen Fachbereichen wie der Chemie kombiniert. “Durch den Einsatz von Enzymzusätzen in Waschmitteln kann beispielsweise eine Reduzierung der CO2-Emission von rund einer Million Tonnen jährlich erreicht werden”, sagte Dr. Holger Zinke, Vorstandsvorsitzender der BRAIN AG.

Ressourcenschonung und Nachhaltiges Wachstum
Da die industrielle Biotechnologie bei umwelt- und energieschonenden Produkten und Herstellungsverfahren eine immer größere Rolle einnimmt, müssen für eine nachhaltige Nutzung auch einheitliche Zertifizierungsmaßnahmen geschaffen werden.

Der WWF betonte den Beitrag der industriellen Biotechnologie für den globalen Klimaschutz, insbesondere die Entwicklung nachhaltiger Produkte und die Nutzung von nachwachsenden Ressourcen. Die Referenten aus der Industrie, Fuchs-Petrolub und BASF zeigten anhand ihrer Ergebnisse, dass die Industrie branchenspezifische Selbstverpflichtungen bei Bio-Schmierstoffen und biobasierten Kunststoffen eingegangen sind, bereits von der EU- Kommission als wegweisend anerkannt werden. In diesem Zusammenhang arbeitet die Industrie bei der Erstellung von EU-Normen, Ecolabels und Zertifizierungsmaßnahmen mit.

Alle waren sich in der folgenden Podiumsdiskussion einig, dass diese Maßnahmen Vorrang gegenüber gesetzlich bindenden Vorgaben haben sollen.

Forderungskatalog
Damit die industrielle Biotechnologie als Innovationstreiber und mit positiven Wachstums- und Beschäftigungseffekten zügig weiter ausgebaut werden kann, wurden auf dem Kolloquium im FIZ Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie folgende Forderungen formuliert:

  • Die Errichtung von Demonstrations- und Pilotanlagen, um die Akzeptanz der weißen Biotechnologie zu stärken.
  • Das Setzen von Qualitätsstandards und Regelwerken. Vorbild sind die ersten Erfolge bei den Normierungsarbeiten CEN und DIN für biobasierte Produkte speziell für Bio-Schmierstoffe und biobasierte Kunststoffe.
  • Die Umsetzung der europäischen Leitmarktinitiative für Deutschland durch die Bundesregierung.
  • Eine Informationskampagne zur Steigerung der Akzeptanz der industriellen Biotechnologie.

Die 90 Teilnehmer aus Politik, Industrie, Verbänden und Forschung waren sich außerdem einig, dass der Dialog zur Umsetzung der Forderungen fortgesetzt werden muss. Hierbei gilt es, neben der Industrie auch die Nichtregierungsorganisationen auf europäischer Ebene und in Deutschland einzubinden.

Kontakt
Dietrich Wittmeyer
Europäischer Verband für nachwachsende Rohstoffe
und Produkte (ERRMA)

E-Mail: errma.wittmeyer@web.de
Tel.: 06103-202 03 09

Source: Europäischer Verband für nachwachsende Rohstoffe und Produkte (ERRMA), Pressemitteilung, 2010-03-12.

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