28 Februar 2003

Aufwind für Deutschlands Arzneipflanzen

FNR-Studie belegt steigenden Marktbedarf

Bisher schon mit 50% am europäischen Gesamtumsatz beteiligt, ist das Angebot von Arzneipflanzen aus Deutschland der wachsenden Nachfrage dennoch bei weitem nicht gewachsen. Gerade die hochwertigen Pflanzen wie Kamille, Arnika oder Johanniskraut können den Marktbedarf der Hersteller bislang nur zu einem Zehntel decken, obwohl die Verarbeiter vorzugsweise deutsche Heilkräuter beziehen würden: „Für kultivierte Arzneipflanzen spricht ihre im Vergleich zu Wildsammlungen ausgewogene Qualität“, argumentiert z.B. Dr. Elmar Kroth von der Forschungsvereinigung der Arzneimittel-Hersteller (FAH).

Eine Studie der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) und der FAH bringt zu Tage, dass sich europaweit eine wachsende Nachfrage nach pflanzlichen Heilmitteln entwickelt, die die Hersteller in Zugzwang bringt. Aber selbst die 800 Betriebe, die auf 10.000 deutschen Hektar Arznei- und Gewürzpflanzen anbauen, können dieser Entwicklung nicht genügen: „Das Anbaupotenzial ist noch lange nicht erschöpft“, weiß Henryk Stolte, Arzneipflanzen-Experte der FNR, zu berichten.

Auch die Dokumentierungsauflagen an die Bauern bzgl. Einsatz von Pflanzenschutz- oder Düngemitteln wertet die heimischen Arzneipflanzen auf. Dadurch, dass den Herstellern Kontrollen und Analysen erspart bleiben, können die Bauern ihre Erträge Gewinn-bringender absetzen als am Weltmarkt üblich ist. Nach Stolte könnte ein Landwirt unter optimalen Voraussetzungen gut und gerne Gewinne von rund 25.000 EUR pro Hektar erzielen.

Dennoch ist der Kräuteranbau zeitaufwändig und mit Risiken behaftet. Die hohen Anfangsinvestitionen werden schnell zum Konkurs, falls die Pflanzen von Krankheiten befallen werden, auch benötigen gerade hochwertige Pflanzen wie Artischocken oder Johanniskraut enorm viel Pflege. Die Unkraut- bzw. Schädlingsbekämpfung ist immer noch eine Grauzone, die die Bauern bei Chemieverzicht bis zu 250 Stunden pro Hektar an Mehraufwand kostet, davon abgesehen, dass die Ernte mangels entsprechender Erntetechnik häufig von Hand erfolgen muss.

Den noch bestehenden Bedarf an Grundlagenforschung versuchen bislang 19 Institutionen von Bund und Ländern zu kompensieren. Als Mangel bezeichnet Dr. Friedrich Pank von der Bundesanstalt für Züchtungsforschung „dass es, verglichen mit anderen Kulturpflanzen, bisher nur wenige leistungsfähige Sorten von Arzneipflanzen gibt.“ Wirkstoff-optimierte Züchtungen mit Resistenzen gegen verbreitete Krankheiten sowie einheitlichen Reifezeiten hätten erhebliche Vorteile.

Für mindestens ebenso wichtig hält Prof. Joachim Müller von der niederländischen Universität Wageningen die Entwicklung von verbesserten Erntetechniken. Aufgrund fehlender Gerätschaft seien viele Kräuter-Anbauer gezwungen, Eigenbauten oder Modifizierungen an Maschinen selbst vorzunehmen, da der Markt keine Technologie anzubieten hat. Müller: „Die Erntemethode entscheidet über den Grad der Verkeimung und falsches Trocknen führt zu großen Wirkstoff- und damit Qualitätseinbußen.“

(Vgl. Meldung vom 2002-11-07.)

Source: VDI nachrichten vom 2003-02-21.

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