1 Juni 2016

Auftakttreffen der Special Interest Group (SIG) Biopolymere/Biokunststoffe

Wertschöpfungsketten und Produktsysteme sind wichtige Treiber der Bioökonomie

Rund 20 Teilnehmer aus Industrie und Politik nahmen an der Auftaktveranstaltung zur Special Interest Group (SIG) Biopolymere/Biokunststoffe teil. Anwesend waren auch Vertreter von Forschungseinrichtungen, die im Bereich Biopolymere forschen und so einen wichtigen Beitrag liefern konnten.

Die Auftaktveranstaltung der Special Interest Group Biopolymere/Biokunststoffe fand im Rahmen der Akteursplattform Bioökonomie am 11. Mai 2016 in Stuttgart statt. Das Thema dieser ersten SIG-Veranstaltung wurde vorab mit den Teilnehmern des Schaufensters Bioökonomie identifiziert. Da neben Vertretern aus Ministerien auch Mitarbeiter namenhafter Unternehmen und Forschungseinrichtungen vertreten waren, kann die SIG auf einen bunt gemischten Teilnehmerkreis zurückblicken.

Prof. Dr. Ralf Kindervater, Geschäftsführer der BIOPRO Baden-Württemberg, eröffnete die Veranstaltung und erläuterte anhand von Beispielen, wie wichtig einzelne Wertschöpfungsketten und ganze Produktsysteme sind, um die Bioökonomie weiter voranzutreiben.

Das Potenzial von Biokunststoffen

Den ersten Impulsvortrag hielt Dipl-Ing. Marco Neudecker vom IfBB, dem Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe der Hochschule Hannover. Thema des Vortrags war: „Biokunststoffe – Potenziale, Produkte und Verarbeitung“. Nach einer kurzen Vorstellung des IfBB führte Neudecker verschiedene Biopolymere auf. Darüber hinaus erläuterte er, dass vor allem chemisch neuartige Biokunststoffe wie PLA und PHA sowie die biobasierten Varianten der petrobasierten Kunststoffe PET, PA, PE und PP der New Economy auf Interesse in Industrie und Forschung stoßen. Es wird mit einem stetigen Wachstum der Biopolymere gerechnet, sodass die Menge von 1,7 Mio. Tonnen im Jahr 2014 auf geschätzte 7,8 Mio. Tonnen im Jahr 2019 ansteigen wird.

Auch der Flächenbedarf zur Produktion von Biopolymeren wird sich bis 2019 verdoppeln, bleibt jedoch insgesamt gering. Es gibt bereits eine ganze Bandbreite von biobasierten Kunststoffen, die auf dem Markt sind. Der größte Teil an Biopolymeren wird jedoch für Verpackungen eingesetzt. Da die Verarbeitung von Biokunststoffen Materialhersteller oftmals vor große Herausforderungen stellt und deren Fragen nicht beantwortet werden können, wurde ein Verbundprojekt zur Verarbeitung von Biokunststoffen initiiert. So stellte Neudecker im Rahmen des Vortrags die neue Datenbank des IfBB zur Verarbeitung von Biokunststoffen vor, die in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP), dem Kunststoff-Zentrum (SKZ) und der Technischen Universität Chemnitz entwickelt wurde. Die Online-Datenbank beinhaltet Informationen zu den unterschiedlichsten Verarbeitungsverfahren von knapp 100 biobasierten Kunststoffen. Dadurch erleichtert die Datenbank den Austausch zwischen Verarbeiter und Hersteller.

Neue Marker-Technologie

Im zweiten Impulsvortrag berichtete Jochen Mößlein, Geschäftsführer der Polysecure GmbH über die Polysecure Marker-Technologie und deren Anwendung im Hinblick auf Biokunststoffe. Mithilfe der Markerpartikel sollen Materialsortierung und Qualitätssicherung sowie Produktauthentifizierung und Plagiatschutz erleichtert werden. Anlass der Unternehmensgründung war laut Mößlein Produktpiraterie. Aktuell besitzt die Firma ein umfassendes Patentportfolio mit 13 Patentfamilien. Polysecure stellt derzeit Farbwechsel-Marker, Fluoreszenz-Marker und keramische Marker her. Sie verfügen über eine hohe mechanische Robustheit und thermische Stabilität, sodass mehrere Extrusionen problemlos möglich sind. In der Regel nehmen die Marker keinen relevanten Einfluss auf die Eigenschaften des Materials. Durch eine zuverlässige Materialsortierung aufgrund der Marker ergeben sich auch im Bereich des Recyclings neue Möglichkeiten. So können Kunststoffe nach Materialklasse sortiert und erneut eingesetzt werden. Jochen Mößlein hofft, dass der Einsatz von Markern auch im Bereich der Biopolymere in Zukunft zunimmt.

Gegen Ende der Veranstaltung wurden die Teilnehmer dazu aufgefordert, Erwartungen an die SIG schriftlich wiederzugeben. Nach einer kurzen Auswertung konnten fünf Themenschwerpunkte identifiziert werden: Vernetzung, gemeinschaftliche Projekte, Produkte und Technologien, Rohstoff- und Kreislaufwirtschaft sowie die Kommunikation nach außen. Vor allem Themen wie die Vernetzung und die Entwicklung neuer Produkte und Technologien im Bereich der Biokunststoffe lagen im Fokus der Teilnehmer.

BIOPRO vernetzt die Akteure

Biogene Roh- und Reststoffe in Industrieprodukte oder Zwischenprodukte zu verwandeln, ist eines der zentralen Ziele der Bioökonomie. Mit der Auftaktveranstaltung der SIG Biopolymere/Biokunststoffe will die BIOPRO verschiedene Akteure der Biokunststoffe vernetzen. So sollen der Einsatz von Biopolymeren gesteigert und petrobasierte durch biobasierte Kunststoffe ersetzt werden. Im Herbst 2016 wird erneut ein Treffen dieser Special Interest Group stattfinden, in dem das Thema Entwicklung neuer Produkte und Technologien genauer analysiert werden soll. Zum Themenschwerpunkt Kommunikation findet außerdem am 15. Juni 2016 eine eigene SIG unter dem Namen Marketing, Kommunikation, Ökobilanz und Nachhaltigkeit in Stuttgart statt.

Source: BIOPRO, Pressemitteilung, 2016-05-24.
Author: Frank Boose

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