20 April 2006

Arzneimittelproduktion mit Hilfe neuer Technologien

Belgisch-finnische Unternehmensgründung will Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln optimieren

Wissenschaftler aus Belgien und Finnland haben gemeinsam ein Unternehmen gegründet, das auf einer einzigartigen Technologie zur Erhöhung der Produktion von arzneilichen Wirkstoffen in Pflanzenzellen beruht.

Etwa 25 Prozent der heutigen Arzneimittel basieren auf pflanzlichen Wirkstoffen, was weltweit einem Arzneimittelumsatz von 33 Milliarden Euro entspricht. Pflanzliche Arzneimittel haben also eine große Bedeutung in der Behandlung vieler Krankheiten. Allerdings dauert die Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln sehr lange und erfolgt nur in kleinen Mengen.

In den 1980er Jahren versuchten Wissenschaftler, die Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln zu verbessern, indem sie ihre Forschung auf Pflanzenzellen konzentrierten. Diese erzeugen dieselben Wirkstoffe wie die Pflanzen selbst – das aber sehr viel schneller.

Allerdings haben auch Pflanzenzellkulturen ihre Grenzen. Die Gewinnung von sekundären Pflanzenstoffen – Wirkstoffen, die im Stoffwechselprozess der Pflanze gebildet werden – erfolgt in begrenztem Maße, ist für die Medizin allerdings äußerst wichtig. Ein Team von Wissenschaftlern des Vlaams Interuniversitair Instituut voor Biotechnologie (VIB) und des Technischen Forschungszentrums Finnland (VTT) hat eine Technologie entwickelt, mit Hilfe derer die Herstellung dieser sekundären Pflanzenstoffe äußerst zielgerichtet erhöht werden kann, sodass die Produktionszeit gesenkt werden kann.

“Durch die Veränderung der DNA von Pflanzenzellen erhöhen (die Wissenschaftler) die Produktion bestimmter Stoffe und stoppen die Produktion anderer Stoffe. Durch die Technologie der Wissenschaftler können auch Gensequenzen anderer Pflanzen in die pflanzlichen Zellkulturen eingebracht werden und auf diese Weise entstehen neue sekundäre Pflanzenstoffe”, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Die Technologie erhöht demnach die Produktion von sekundären Pflanzenstoffen und bietet gleichzeitig die Möglichkeit zur Entwicklung neuer sekundärer Pflanzenstoffe.

Die Forscher haben bereits das Genprofil des Madagaskar-Immergrüns entschlüsselt, aus dem Arzneimittel zur Behandlung von Krebserkrankungen gewonnen werden.

Die Forscherteams aus Belgien und Finnland haben nun ein Unternehmen mit dem Namen SoluCel Ltd. gegründet, das diese Technologie weiterentwickeln soll. Das Wort “Solu” ist Finnisch und bedeutet “Zelle”.

Weitere Informationen sind abrufbar unter http://www.solucel.com

Bemerkungen: Die Forscher begrüßen Fragen zu ihrer Arbeit, insbesondere vonseiten der Patienten. Sollten Sie Fragen haben, so senden Sie bitte eine E-Mail an folgende Adresse:
E-Mail: Contact

(Vgl. Meldung vom 2006-03-28.)

Source: Cordis-Nachrichten vom 2006-04-18.

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