5 Juli 2002

Anbau von Nachtkerze (Oenothera biennis L.) zur Gewinnung des Gamma-linolensäurehaltigen Öles

NachtkblDie Nachtkerze (Oenothera biennis L.), ursprünglich als Zierpflanze, später als Gemüse- und als Heilpflanze geschätzt, hat nach der Entdeckung ihres besonderen Fettsäurespektrums im Samenöl vor etwa 25 Jahren das Interesse der pharmazeutischen und Kosmetikindustrie gefunden. Es handelt sich um die Gamma-Linolensäure, die einen Anteil von 6-14% an der Gesamtfettsäure hat. Allgemein wird dieser Fettsäure eine Wirkung gegen Arterienverkalkung, Venenleiden und manchen allergisch bedingten Hauterkrankungen zugeschrieben. Der Bedarf an Nachtkerzenöl wird fast zur Gänze aus Importen gedeckt.
Die Nachtkerze ist eine relativ anspruchslose Pflanze und gedeiht auf leichten, humosen Böden in warmer, sonniger Lage am besten. Sie kann als einjährige Pflanze mit Aussaattermin Mitte April bis Anfang Mai und als zweijährige Pflanze mit Aussaattermin Mitte Juli bis Mitte August kultiviert werden.

Samen-HandDie Aussaat erfolgt mit handelsüblichen Drillmaschinen, die für feine Sämereine geeignet sind in einer Saatstärke von 4-6 kg pro ha und abhängig von der vorhandenen Pflegetechnik in einem Reihenabstand von 30 bis 50 cm. Nachdem die Nachtkerze eine sehr langsame Jugendentwicklung zeigt, ist eine zwei- bis dreimalige Hacke bis zum Bestandesschluss notwendig. Der Mähdrusch der Samen wird angestrebt, wenn ca. 75% der Kapseln braun verfärbt sind. Eine sofortige Reinigung und Trocknung der Ernte auf unter 9% Feuchte muß unmittelbar nach der Ernte durchgeführt werden.
Um eine wirtschaftliche Vermarktung zu erreichen, scheint nur der Anbau im Rahmen der biologischen Landwirtschaft (kbA-Qualität) erfolgversprechend.

Nachdem erste Recherchen zu Anbau und Wirtschaftlichkeit durchgeführt wurden , erfolgte im Jahre 2001 ein Versuchsanbau auf einer Fläche von 10 ar in Fernitz, 15 km südlich von Graz. Dabei konnten vor allem die Erfahrungen und Ergebnisse eines über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe geförderten Verbundprojektes in Deutschland genutzt werden (FKZ:96 NR 160-F, 1998-2001).
Die Aussaat erfolgte am 07.04. mit einer Drillmaschine, ausgerüstet mit Feinsärädern, in einer Saatstärke von 4,8 kg/ha. Aufgrund der kalten Witterung ging die Saat erst ein Monat später auf. Anfang Juni und Anfang Juli wurde eine Unkrauthacke durchgeführt.

Nachtkerzenfeld-kleinDer Bestand entwickelte sich sehr gut und stand im August in voller Blüte. Bereits ab Mitte September begannen die ersten Kapseln zu platzen, während Teile der Pflanze noch blühten. Der Herbst war sehr trocken, sodass mit der Ernte gewartet werden konnte. Diese erfolgte am 5. November mit einem Mähdrescher mit Getreidetisch. Die Bestandeshöhe betrug 150 cm, die Halme waren verholzt. Die Ernte wurde sofort gereinigt und getrocknet. Die gereinigte Erntemenge, die zur Pressung kam, entpricht einem Ertrag von 410 kg/ha und liegt somit im unteren Bereich der aus den deutschen Versuchen angeführten Erntemengen mit 400 bis 800 kg/ha bei einjährigem Anbau.
Eine Analyse des Fettsäuremusters ergab mit einem Gesamtfettgehalt von 25,2% und einem Gamma-Linolensäuregehalt von 8,46% der Gesamtfettsäure eine gute Qualität des Öles.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der biologische Anbau, die Bestandes-führung und Ernte von Nachtkerze keine prinzipiellen Probleme mehr bereiten. 2002 wird ein Sommeranbau versucht, der höhere Erträge bringen sollte. Schwerpunkte der weiterführenden Untersuchungen werden in diesem Jahr die Pressung und v.a. die Vermarktung des Nachtkerzenöles sein.

Auskunft:
Dr. Hans Berghold
Joanneum Research, Institut für Umweltgeologie und Ökosystemforschung
Elisabethstr. 18
A-8010 Graz
Tel.:+43-316-876-1397
Fax :+43-316-876-9-1397
E-Mail: hans.berghold@joanneum.at

Source: Mitteilungen der Fachbereichsarbeitsgruppe Nachwachsende Rohstoffe des BLT Wieselburg Nr. 24/ Juni 2002, pers. Mitteilung von Dr. Berghold vom 2002-07-05.

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