25 März 2003

Alternativkraftstoff Pflanzenöl: Essen oder tanken?

Ein Lebensmittel als Sprit – klingt wie ein Märchen, funktioniert aberganz real. Vorausgesetzt, der Diesel wird entsprechend umgerüstet

PflanzenölNeu- und Gelegenheitsleser halten es für einen blöden Scherz, aber Stammleser wissen längst, dass es geht: Fahren mit Pflanzenöl statt mit Diesel. Wohlgemerkt: Nicht Biodiesel ist gemeint, sondern dessen Ausgangsprodukt aus Sonnenblumen- oder Rapssaat, das in jeder Küche zu Hause ist – das reine Salatöl also.

Aldiflaschen1

Seit Juni 2000 füllte ich den gelben Saft in den Tank meines alten Golf II, fuhr damit über 20.000 Kilometer. Und schilderte meine Erlebnisse in “Blaubes Salatöl-Tagebuch” (AUTO BILD 25/00 bis 34/01).

Öltanke

Inzwischen ist mein frischerer Golf II mit 1,9- Liter-Golf-III-Motor unterwegs. Natürlich auch mit Salatöl, aber ohne jegliche Probleme an der sauberen Zapfsäule in Itzehoe.

Gleiche Erfahrungen machen etwa 20.000 deutsche Diesel-Fahrer, die mittlerweile dem klassischen Selbstzünder-Kraftstoff abgeschworen haben. Ohne jeden Zweifel: Salatöl macht als Alternativ-Sprit Karriere. Auch wenn es nicht mehr so billig ist: 60 bis 70 Cent zahlen Pflanzenöler derzeit pro Liter.

Die wohl günstigste Quelle – Ölmühle Sedlmayr, 86567 Tandern – ruft je nach Abgabemenge 58,9 Cent auf, meine Tankstelle im schleswig-holsteinischen Itzehoe (Pflanzenöltechnik Nord, Telefon 04821-40 62 42) verlangt 62. Tankstelle? Klar. Bundesweit etwa 115 Betriebe (im Internet: www. rerorust.de) geben das Naturprodukt sauber ab. Die Sauerei mit den Literflaschen von Aldi & Co ist damit passé. Zum Glück.

Die Frage aller Fragen: Fährt jeder Diesel mit Salatöl? Im Prinzip ja. Nur ist, je nach Motor und Einspritzung, der erforderliche Umbau mehr oder weniger aufwändig. Manche Anbieter berechnen für die Umrüstung eines Direkteinspritzers über 3.000 Euro, Besitzern konventioneller Mercedes (190, W 124) reichen oft schon Schrottplatz-Teile für unter 100 Euro.

Generell gilt: Wer sich die Bastelei zutraut, informiert sich im Internet-Forum (www.fmso.de) – und spart gewaltig. Doch eines muss jedem klar sein: Reines Pflanzenöl ist und bleibt kein offizieller Treibstoff, die Verwendung erfolgt also auf eigenes Risiko.

Wer das nicht scheut, kann übrigens noch billiger fahren: mit altem Frittierfett, das für McDonald’s-Filialen wie Pommesbuden einen entsorgungspflichtigen Abfall darstellt. Käufer des fein gefilterten Endprodukts zahlen ab 35 Cent pro Liter, Selbermacher können für unter zehn Cent dabei sein. Neugierig? In einer der nächsten Ausgaben gehen wir ins Detail.

© AUTO BILD 2003

(Vgl. Meldungen vom 2003-02-11 und 2003-01-15.)

Source: AUTO BILD Nr. 09/03 vom 2003-02-28.

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