20 Oktober 2006

Alles Pelletti – Der Pelletmarkt vor einem strengen Winter?

"Preisexplosion bei Holzpellets", titelte die Wiener Zeitung am 13. September 2006.

Im Mutterland der Holzpelletbranche Österreich wurden nach Angaben der Zeitung im Verlaufe dieses Jahres 2006 landesweit Preissprünge von bis zu 70 Prozent verzeichnet. Hintergrund waren großartige regionale Verkaufserfolge der Hersteller. Das in Deutschland ansässige Holzzentralblatt folgerte daraus: “Die Pelletbranche spielt mit ihrer Zukunft”.

Hat das Holzzentralblatt Recht oder stellt sich die Situation bei unseren Nachbarn aus der Alpenrepublik anders dar als bei uns? Unbegründete Panikmache bei Endkunden kann schließlich auch knallhartes Kalkül von Brennstoffhändlern oder der Spanplattenindustrie sein, die in einem natürlichen Konkurrenzkampf um den Rohstoff Sägemehl steht.

In Deutschland – trotz Boom alles Anders?
Für Bauherren und Markteilnehmer ist die Frage nach der zukünftigen Preisgestaltung des Brennstoffes Pellets im Deutschen Markt jedoch mehr als reell. Jeder Pelletkessel bedeutet Marktwachstum und Verkaufserfolg, zehrt jedoch auch für mindestens 15 Jahre am regionalen Rohstoffpool. Und Pelletmärkte sind regional. Nach Recherchen der DGS lagen in diesem Monat die Preise für Pellets in Bayern schon knapp bei 300 Euro pro Tonne während in Norddeutschland oder Nordrhein-Westfalen die Tonne rund ein Drittel günstiger zu erwerben war.

Fakt ist, in Deutschland hört man von derartigen Meldungen zum Thema Preisentwicklung derzeit wenig. Auch der maßgebliche Industrieverband DEPV hält sich zum Thema zukünftiger Preisgestaltung bedeckt. Er verweist auf die statistisch belegte traditionelle Preisstabilität der Holzpresslinge im Deutschen Markt und den im Bau befindlichen oder bereits fertig gestellten großen Pelletieranlagen (z.B. Schwedt, 130.000 t/a). Diese werden in dem anstehenden Boom auch für notwendige Versorgungssicherheit sorgen.
Holzpellets wären aber auch für diesen Winter in ausreichendem Masse vorhanden, so Frau Beate Schmidt von der Landesinitaitive Zukunftenergien NRW. Allerdings könne man natürlich nicht alle Kunden zur gleichen Zeit die gewünschten Mengen liefern können – da wären wie auch beim Heizölhandel allein schon die Transportmittel der begrenzende Faktor.

Sagen Sie mal, was kosten Holzpellets in den nächsten Jahren?
Diese Frage trieb die meisten Kunden an den gut besuchten DGS Stand auf der Pellets 2006 in Stuttgart. Dahinter steht die Frage: Lohnt sich der Kauf dieser innovativen, umweltfreundlichen, aber auch in der Investition teureren Technologie wie gewünscht langfristig auch finanziell?

Analysiert man die Kaufgründe von Pelletheizungen, ist es gerade die Angst vor einer Versorgungslücke und explodierenden Preisen bei fossilen Energieträgern, die der Pelletbranche in der Vergangenheit massenweise Kundschaft zufliegen lies. Wie wird nun der sicherheitsliebende deutsche Bauherr reagieren, sollten die Preise drastisch zulegen? Fest steht, ein erneuter Versorgungsengpass bei Pellets in diesem Winter würde der Branche ein handfestes Vertrauensproblem bescheren.

Immerhin sehen einem Branchenreport zufolge 90 Prozent der befragten Akteure auch im nächsten Jahr das Marktwachstum im 2-stelligen Bereich, 21 Prozent der SHK Betriebe sehen hier gar ein Wachstum von über 50 Prozent! Dieser anfangs mühevoll aufgebaute und nun stürmisch verlaufende Markt wartet nun sehnsüchtig auf eine nachhaltige Versorgungspolitik der Hersteller und Brennstofflieferanten bei den Pellets.

Preisstabilität und Förderung – zwei Verkaufsargumente im Wandel?
Neben dem landläufigen Argument der Preisstabilität spielte in den Marketingstrategien der Branchen oftmals das Thema staatliche Förderung die Hauptrolle. Derzeit stehen das bundesweite Marktanreizprogramm MAP sowie viele weitere Landesprogramme unter einer Revision und sind zum Teil nicht verfügbar. Trotzdem Kaufen die Kunden zumeist nach einer Energieberatung die CO2-neutrale Heizanlagen.

Sollten diese beiden Kaufsargumente nicht mehr zur Verfügung stehen, muss die Branche neue Konzepte entwickeln die Entscheidung des Endkunden, in welche Heiztechnologie er nun die nächsten Jahrzehnte investieren soll, positiv zu beeinflussen. Was sicher bleibt, ist die indirekte Förderung der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW). Diese hat den Markt, von den Kesselhändlern fast unbemerkt, bislang massiv über das sehr erfolgreiche CO2 Gebäudesanierungsprogramm mit zinsverbilligten Krediten und Tilgungszuschüssen tatkräftig unterstützt. Die DGS verzeichnet über ihre kostenfreie Beratungsinitiative zur Abschätzung der Krediteignung von Objekten trotz steigender Zinssätze ein stabiles Interesse an diesem Förderprogramm: www.dgs.de/kfw

Ratlose Energieberater – Haftungsfrage Verlässlichkeit
Speziell Energieberater sind momentan durch die eventuell anstehenden hektischen Marktbewegungen verunsichert. Sie müssen Ihren Kunden mit den in den Beratungen geforderten Wirtschaftlichkeitsberechnungen quasi auch eine Technologieempfehlung abgeben. Die Frage: “Was ist denn langfristig billiger Öl, Gas oder Pellets? Empfehlen sie mal!” haben die meisten sicher schon oft gehört.

Gibt es keinen verlässlichen Marktpreis für Holzpellets, macht es die Branche den Lotsen in der Energiewirtschaft unnötig schwer, den klassischen Beratungsweg hin zu effizienten fossilen Brennwertheizungen zu verlassen. Auch eine Haftungsfrage! Manch Energieberater muss sich daher die überlegen, ob er bei einem eventuellen Gerichtsverfahren eines unzufriedenen Beratungskunden mit Pellets wirklich auf der sichereren Seite steht. Empfahl er bei einer Investitionskostenvorgabe des Kunden trotz höherer Investitionskosten eine Pelletheizung und riet von der beispielsweise investitionstechnisch preiswerteren Gasbrennwerttechnologie und Dämmung ab, hat er eventuell nicht nur bei konservativ denkenden Richtern ein Problem, wenn das eingesparte Geld noch für eine bessere Energieeffizienz gereicht hätte.

Der Alptraum eines jeden pflichtbewussten Energieberaters wäre sicherlich der neuerliche Besuch eines aufgebrachten, sicherheitsliebenden Kunden, der wegen Versorgungsengpässen bei Holzpellets frieren musste oder seine Heizkosten, trotz spitz kalkulierter Wirtschaftlichkeitsberechnung des Beraters, nicht mehr bezahlen konnte.

Pelletsmarkt am Scheideweg
Die wenigstens haben mit einem solchen Boom in den letzten 3 Jahren gerechnet. Es gilt nun, das gewonnene Vertrauen der Kunden nicht in diesem Winter wieder zu verlieren und von den Fehlern unserer Nachbarn aus der Alpenrepublik zu lernen. Dann steht dem weiteren Aufschwung dieser umweltfreundlichen Technologie mit sicherlich etwas teureren, aber konstanten Pelletspreisen nichts im Wege. Dass die Branche Probleme durchaus konstruktiv und zielgerichtet lösen kann, zeigt die nun gerade ad acta gelegte Feinstaubemissionsdiskussion. Ob die Branche mit dem Logistikausbau und der Planung grosser Pelletieranlagen zu spät begonnen hat, wird der hoffentlich milde Winter zeigen…

(Vgl. Meldungen vom 2006-08-03, 2006-08-30 und 2006-09-21.)

Source: DGS-Newsletter vom 2006-10-19.

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