7 April 2010

Algen und Altfette bald Bioenergie-Lieferanten?

FNR: Anbau von Energiepflanzen stelle keine Gefahr für Lebensmittelversorgung dar

Wenige Wochen vor der Rapsblüte setzen Agrarexperten wieder auf hohe Erträge der Bioenergie-Pflanze – und schmieden Pläne zur Nutzung ungewöhnlicher Rohstoffe wie Algen oder Altfette. Algen und Altfette bald Bioenergie-Lieferanten? “Die sind natürlich noch nicht im Markt, könnten aber bald marktfähig sein”, sagte der Chef der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) in Gülzow (Kreis Güstrow), Andreas Schütte, der Nachrichtenagentur dpa. Ein Berliner Fachkongress werde sich im Juni damit befassen, wie sich Wasserpflanzen oder Fettrückstände in Bio- Kraftstoffe verwandeln ließen.

Jenseits des Rapsöl- und Biodiesel-Booms werde die Herstellung weiterer synthetischer Kraftstoffe aus erneuerbaren Energieträgern eines der Hauptthemen der Branche im laufenden Jahr, kündigte Schütte an. “Da sind noch viele Verfahren und Züchtungen möglich.” Die Chemie lege ihr Augenmerk ebenfalls auf Methoden, mit denen man wichtige Vorprodukte umweltschonend erzeugen könne. Geplant sei unter anderem eine Pilotanlage, in der aus Buchenholz Ausgangsstoffe etwa für die pharmazeutische Industrie gewonnen werden. “Für die Bio-Raffinerien mit Holz gibt es ein breit angelegtes Verbundvorhaben.” Das Projekt in Leuna (Sachsen-Anhalt) werde bereits vorbereitet.

Neuigkeiten im Energiepflanzen-Anbau erwartet Schütte außerdem bei Kräuterpflanzen: “Kamille, Melisse und Baldrian sollen auch zu einer heimischen Anbauvariante werden.” In kleinerem Maßstab würden sie in Deutschland schon als Basis für Arzneien angebaut, der überwiegende Anteil werde aber noch importiert. Die sogenannten Phytopharmaka seien ein besonderer Wachstumsmarkt für den Agrarsektor. “Wir sehen da ein größeres Potenzial für experimentierfreudige Landwirte.”

Nach Angaben des Experten macht die Bioenergie inzwischen einen Anteil von 70 Prozent an den “Erneuerbaren” aus. Die Kritik, wonach der zunehmende Anbau von Bioenergie-Pflanzen die Flächen für die Nahrungsmittel-Produktion verknappe und so Lebensmittel verteuere, ließ Schütt nicht gelten: “Beim Mais fließen zum Beispiel nur 3 bis 5 Prozent in die Bioenergie.” Vielmehr seien künstlich reduzierte Getreidevorräte oder Missernten für die Preisanstiege verantwortlich.

Source: Proplanta, 2010-04-05.

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