1 August 1999

Agrotextilien mit Flachs- und Hanffasern für Baumsetzlinge

Innerhalb eines internationalen Verbundprojekts wurden in Zusammenarbeit des Textilforschungsinstitutes Thüringen-Vogtland e.V. mit Partnern aus der Ungarischen, Slowakischen und Tschechischen Republik neuartige Agrotextilverbunde entwickelt, die einen Beitrag zum Umweltschutz und zum Schutz der Natur leisten sollen. Die Arbeiten werden in einem durch das Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekt weitergeführt.
In dem Projekt wurde ein Agrotextilverbund entwickelt, der in der Lage ist, die Bodenqualität um junge Baumsetzlinge positiv zu beeinflussen. Als umweltfreundliches Fasermaterial wurden Flachs- und Hanffasern niedriger Qualität gewählt, wie sie beim Faseraufschluss als Abprodukte anfallen. Die Fasern werden zu Wirrfaservliesen verarbeitet. Der Aufbau der Agrotextilie ist dreischichtig. Zwischen der Vliesschicht und einer zellulosen Schicht befindet sich als Füllstoff die Mineralmischung.
Unter dem Einfluss von Feuchtigkeit setzen diese Materialien Ionen frei und verbessern dadurch den pH-Wert des Bodens.
Die Agrotextilie konnte mit Erfolg in Feldversuchen in ökologisch problematischen Gebieten getestet werden. Vor allem dort, wo durch
sauren Regen eine starke Übersäuerung des Bodens auftritt, kann die Agrotextilie erfolgreich zu pH-Wert-Neutralisierung beitragen.

Zusammenfassend können die Eigenschaften des Materials wie folgt dargestellt werden:

  • Die Agrotextilie besitzt eine sehr gute Wasseraufnahme- und Wasserspeicherfähigkeit.
  • Sie schränkt das Wachstum von Unkraut um den Setzling ein.
  • Sie zeigt einen positiven Einfluss auf das thermische Regime des Bodens.
  • Es ist möglich, den pH-Wert des Bodens auszugleichen.
  • Im Gegensatz zur oberflächlichen Kalkaufbringung gibt das Material seinen Wirkstoff verzögert ab und kann somit über längere Zeit seinen Zweck erfüllen.
  • Das Material ist 100% biologisch abbaubar und zersetzt sich rückstandsfrei.

Typische Maße des Produktes sind 50 mal 50 cm. Zur Hanfbefestigung wurden auch Bahnen hergestellt, die jedoch wegen ihres Gewichts schwerer zu händeln sind.

Autor und Endreaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: Technische Textilien, Jahrgang 42, August 1999, S. 226-228.

Source: Technische Textilien, Jahrgang 42, August 1999, S. 226-228.

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