19 April 2012

Agrarökologische Bewertung der Silphie

Neue Energiepflanze mit potenziell günstigen Umweltwirkungen

Der Anbau der Durchwachsenen Silphie könnte künftig deutlich erweitert werden. Sie gilt als vielversprechende Energiepflanze, die Maisfruchtfolgen auflockern und Trockenheit gut verkraften kann. Zudem gehört Silphium perfoliatum L., so die lateinische Bezeichnung, zu den Biogas-Kulturen, für die das Erneuerbare-Energien-Gesetz seit 2012 eine höhere Vergütung gewährt.

Noch sind die ökologischen Auswirkungen des Anbaus der Pflanze jedoch nicht systematisch untersucht. Das Institut für Biodiversität am Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) und das Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde am Julius Kühn-Institut (JKI) wollen nun eine umfassende Bewertung durchführen. Die geplanten Arbeiten gliedern sich in 2 Teilbereiche: Das vTI untersucht den Einfluss der Silphie auf die Biodiversität und das JKI den Wasserhaushalt der Pflanze.

Das bis 2015 laufende Vorhaben wird vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) über dessen Projektträger, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), gefördert. Informationen stehen auf www.fnr.de im Menü Projekte & Förderung unter den Förderkennzeichen 22004411 und 22037311 zur Verfügung.

Die Silphie ist eine ausdauernde Staude, die bis zu zehn Jahre lang beerntet werden kann. Nach dem Pflanzjahr sind weder Bodenbearbeitung noch Herbizide notwendig, denn die Bestände wachsen sehr dicht. Von Juli bis September blüht die Staude und bildet als mehrjährige Kultur ein dichteres Wurzelwerk aus als einjährige Pflanzen. Diese Eigenschaften sind ökologisch potenziell vorteilhaft, das genaue Ausmaß ist aber noch unbekannt. Bei anderen Eigenschaften, etwa dem späten Erntetermin, sind die Auswirkungen nicht eindeutig vorherzusagen. Ziel des Vorhabens ist es, zu einer wissenschaftlich fundierten Gesamtbewertung der Silphie zu gelangen.

Konkret untersuchen die Wissenschaftler im Arbeitspaket ‚Biodiversität’ unter anderem folgende Fragestellungen:

  • Wie wertvoll ist die Silphie in Bezug auf das Nahrungs- und Habitatangebot für Blütenbesucher und andere Insekten?
  • Welche Effekte gibt es für benachbarte Kulturen?
  • Welche Ackerwildkräuter und welche Bodenlebewesen siedeln sich typischerweise an?
  • Wie ändern sich Kohlenstoff- und Stickstoffgehalte im Boden unterschiedlich alter Silphiebestände?

Im Arbeitspaket ‚Wasserhaushalt’ stehen unter anderem folgende Fragen auf der Agenda:

  • Wie viel Wasser verbraucht eine Silphie-Dauerkultur im Vergleich zu anderen Biogaspflanzen?
  • Kann sie mit Hilfe ihrer “Blattbecher” (die Blätter sind am Stengel so angewachsen, dass sie kleine Becher bilden) tatsächlich Wasser aufnehmen?
  • Wie entwickeln sich Wurzeltiefgang und Wurzeldichte in Abhängigkeit von der Bodenfeuchte?
  • Ist die Silphie tatsächlich eine besonders wassereffiziente und trockentolerante Energiepflanze?
  • Die Erfassung der ober- und unterirdischen Lebewesen erfolgt auf verschiedenen Praxisflächen, von denen einzelne Schläge bis zu 5 Hektar umfassen. Für die Untersuchungen zum Thema Wasserhaushalt legen die Forscher Bewässerungsfeldversuche mit den Vergleichskulturen Mais und Luzernegras sowie Gewächshausversuche an.

Die so genannten ökosystemaren Dienstleistungen einer Kultur sind in einem größeren Kontext zu sehen. So könnte die Silphie einen Beitrag für eine bessere Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel leisten. Auch für Bienen und andere Blütenbesucher ist sie möglicherweise sehr wertvoll, denn momentan bietet unsere Agrarlandschaft ab dem Sommer für diese nur ein knappes Nahrungsangebot.

Source: Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe, 2012-04-19.

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