22 Mai 2001

Aerogel – Neuentdeckung aus den dreißiger Jahren

Ein in Vergessenheit geratenes, aber bahnbrechend innovatives Material aus Zellulose macht neuerdings von sich reden. So entwickelte Forscher Fung mit seinen Kollegen von der University of Oklahoma aus Zelluloseacetat ein ultraleichtes, äußerst bruchfestes, poröses und durchscheinendes Material, das der Materialkategorie der Aerogele angehört und aussieht wie “gefrorener Rauch”.

Ganz neu ist dieses Material allerdings nicht mehr. Schon in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde dieser Stoff entdeckt, der bis zu 99 Prozent aus Luft bestehen kann, geriet dann aber bis in die Siebziger in Vergessenheit. Seit ein paar Jahren feiert die schwammartige Substanz aufgrund ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten ihr Comeback. So nutzte die US-Raumfahrtbehörde Nasa schon 1997 ein Aerogel zur Isolierung der Elektronik des Marsrovers “Sojourner”, auch für die Isolierung von Raumsonden ist das Material hochgeeignet.

Besonders vorteilhaft ist die massenhafte Verfügbarkeit des Rohstoffs Zellulose, der bisherige Aerogel-Grundstoffe wie Metalle oder Kieselerde nicht nur wegen seiner technologisch günstigeren Eigenschaften wohl bald in vielen Anwendungen übertreffen wird. Das Aerogel wird gewonnen, indem der Grundstoff zunächst in Wasser und Alkohol gelöst und während des Eintrocknungsprozesses per Hochdruck mit Gas gebläht wird, damit er nicht zusammenfällt.

Während bisherige Aerogele aus Zellulose schon hervorragende Eigenschaften aufweisen, ist dem Fung-Team allerdings die Herstellung eines um das Zehnfache stabileren Materials geglückt. Für die Zukunft könnten hier Ingenieurträume wahr werden. Zum Beispiel ließen sich Häuser mit Aerogel-Fenstern oder -Isolierungen mit einem minimalen Energieaufwand beheizen.

Autorin: Marion Kupfer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: Materialforschung: Der harte Bruder des Papiers, in: spiegel-online, 22.05.2001.

Source: Materialforschung: Der harte Bruder des Papiers, in: spiegel-online, 22.05.2001.

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