29 August 2006

Ackerfrucht Holz: Lukrative Ertragsquelle für Energiewirte

Zunehmend pflanzen Landwirte Pappeln und Weiden an und liefern das Holz an Heizkraftwerke. Die hohen Ölpreise sind hier schon fast so relevant wie Subventionszahlungen.

Martin Wunderlich ist einer von ihnen und absolut zuversichtlich: “Die meisten Pflanzen haben sich schon im ersten Jahr gut entwickelt.” Der Bauer und nun auch Holzwirt kann in drei Jahren die Ernte seiner eineinhalb Hektar großen Pappelpflanzung als Hackschnitzel an Heizkraftwerke verkaufen.

Im Nachbarort Elsterwerda betreiben die Stadtwerke ein 44 Megawatt-Biomassekraftwerk und zahlen 40 bis 60 Euro für eine Tonne trockenes Brennmaterial. Die im 80 Kilometer entfernten Freiberg gelegene Pilotanlage von Choren Industries und Volkswagen braucht ebenfalls Holz, welches zu synthetischem Treibstoff verarbeitet wird.

Holz vom Acker liegt im Trend, der Anbau lohnt sich, die Nachfrage steigt. “Wenn der Ölpreis dauerhaft oberhalb von 50 $ pro Barrel liegt, ist die Nutzung von Agrarflächen für die Energieversorgung profitabler als die Nahrungsmittelproduktion”, so Uwe Lahl, der sich als Abteilungsleiter Verkehr im Bundesumweltministerium auch mit alternativen Energiequellen befasst.

Für das Land Brandenburg ist die feste Biomasse bereits wichtigster Energieträger unter den Erneuerbaren. “Das Ganze ist praxisreif, wir suchen jetzt die Bauern, die es machen”, sagt Christian Hohm, Experte im Brandenburger Umweltministerium. Bis zu 400 Hektar Acker stehen für die Bepflanzung mit Pappeln und Weiden in diesem Jahr allein in Brandenburg zur Verfügung.

Winterzeit – Erntezeit

Martin Wunderlich hat vorgesorgt: Bereits im Jahr 2004 bestückte er einen Hektar Boden mit Stecklingen, 2005 kamen drei Hektar und dieses Jahr noch einmal eineinhalb Hektar dazu. Die 20 Zentimeter lange Pappeläste werden auf den Feldern im 0,5-Meter-Abstand in Reihen gesteckt. Immer zwei Reihen liegen jeweils dicht beieinander, dazwischen muss eine Fahrgasse für die Erntemaschinen freigehalten werden. Ein Hektar kann so zwischen 10.000 bis 12.000 Stecklinge aufnehmen.

Drei Jahre später ist die erste Ernte fällig. Mit einem Vorsatz für den Maishäcksler nimmt ein Lohnarbeiter den Bauern den Grobschnitt der Plantagen ab. Hierfür eignet sich am besten der Winter, wenn die Landwirte ohnehin wenig zu tun haben.

Im nächsten Frühjahr schlagen die Wurzelstöcke der abgeernteten Pappeln von allein wieder aus, ohne dass der Landwirt etwas vorbereiten muss. Weiden und Pappeln sind die bisher für solche sogenannten Schnellumtriebsplantagen beliebtesten Gehölze.

Sechs bis sieben Tonnen Trockenmasse je Hektar und Jahr lassen sich so allein von Weiden gewinnen, von Pappeln jährlich sogar bis zu zehn Tonnen pro Hektar, so die Ergebnisse der Versuchsflächen des Institut für Agrartechnik Bornim (ATB) bei Potsdam.

Wobei die Erträge vor allem auch eine Sortenfrage sind. So können die Landwirte unter Dutzenden Sorten mit Namen wie Muhle-Larsen, Oxford oder Japan 104 und Japan 105 wählen. Jede dieser Arten wächst ganz unterschiedlich zwischen einem und zwei Metern pro Jahr, die Holzproduktion schwankt von Sorte zu Sorte deutlich.

“Die Holzerträge sind aber auch regional sehr verschieden”, sagt Dirk Landgraf, Experte für Rekultivierung am Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften in Finsterwalde. So ist die Weide eher für nass-sumpfige Standorte geeignet und benötigt ausreichend Düngung. Die Pappel kommt dagegen mit durchschnittlich feuchten Standorten aus und lebt ohne Dünger.

“Wenn die Bäume im Winter geerntet werden, bleibt mit dem ganzen Laub auch der meiste Nährstoff auf dem Feld”, sagt Landgraf. Das reine Holz enthält fast nur noch Kohlenstoffverbindungen und entzieht dem Acker weder Stickstoff noch Phosphat. Die Agrarwissenschaftler hoffen auf neue Züchtungen, welche die Erträge noch weiter steigern könnten.

Die Anfangsinvestitionen in die Stecklinge erfordert vom Landwirt einen langen Atem, denn Gewinne sind erst nach dem dritten Jahr zu erwirtschaften. Dafür aber dann auch für die nächsten zwanzig Jahre.

Markus Hecker von der Uelzener Wald-Marketing in der Lüneburger Heide kalkuliert den Erlös seiner 40 Hektar Weiden und Pappeln mit 70 € je Tonne trockene Holzhackschnitzel. “Wir rechnen mit einem durchschnittlichen Jahresertrag von 100 € je Hektar”, sagt Hecker. Landwirtschaftliche Zuschüsse wie Stilllegungsprämien oder Hilfen für den Anbau nachwachsender Rohstoffe kommen noch hinzu.

Martin Wunderlich will darum bald noch weitere Pappeln pflanzen.



(Vgl. Meldungen vom 2006-07-31 und 2006-07-31.)

Source: Financial Times Deutschland (Sonderbeilage/Printausgabe "Auf dem Holzweg ins Kraftwerk) vom 2006-08-29.

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