11 April 2003

6. Internationaler Ölsaaten-Produzenten Dialog in Rio de Janeiro

IOPD verabschiedet gemeinsamen Standpunkt für die WTO-Verhandlungen

Mit der Einigung auf einen gemeinsamen Standpunkt für die WTO-Verhandlungen ist der 6. Internationale Ölsaaten-Produzenten Dialog (IOPD – International Oilseed Producer Dialogue) am 3. und 4. April 2003 in Rio de Janeiro/Brasilien erfolgreich abgeschlossen worden.

Die Ölsaatenerzeuger aus Nord- und Südamerika, Europa und Australien sowie Malaysia haben sich darin zu den Verhandlungszielen der Doha-Runde für den Agrarbereich bekannt. Auch ist es gelungen, eine Position abzustimmen, die den Erzeugern eine Teilnahme an den wachsenden Märkten im Nahrungs- und Nicht-Nahrungsbereich ermöglicht. Dieser Punkt war lange zeit heftig umstritten. Für die europäischen Ölsaatenerzeuger, die bislang sowohl Produktionsbegrenzungen als auch Stilllegungsverpflichtungen unterliegen, wird damit eine Chance für eine Neuverhandlung des Blair House Abkommens eröffnet.

Teilgenommen haben an dem Internationalen Dialog Vertreter der Produzenten aus den Ländern USA, Kanada, Brasilien, Argentinien, Paraguay, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Australien und Malaysia. Der europäische Bauernverband COPA war durch seinen WTO-Beauftragten Dr. Franz-Josef Feiter und die UFOP durch ihren Geschäftsführer Dr. Norbert Heim vertreten.

Dem zweiten Schwerpunkt des Dialogs galt die Anwendung der Gentechnik, die sich in den Teilnehmerstaaten sehr unterschiedlich entwickelt hat. Während in Europa seit 1998 ein Zulassungsstopp herrscht, nimmt die Gentechnik zusammen mit Produktionskosten senkenden Anbauverfahren in den übrigen Erzeugerländern einen immer breiteren Raum ein.

Brasilien hat – vorerst für ein Jahr – den Anbau und die Vermarktung im In- und Ausland legitimiert. Das weltgrößte Abnehmerland China, das Land mit den weltweit größten Steigerungsraten beim Import, hat auf Druck der USA den Import befristet zumindest für einzelne Schiffsladungen zugelassen. Mit Spannung wird die derzeit anstehende politische Entscheidung über die künftige Handhabung der gentechnisch veränderten Produkte in Europa erwartet.

Biodiesel war ein weiterer Schwerpunkt des internationalen Treffens. Die Entwicklung ist durch unterschiedliche Programme in den einzelnen Produzentenländern gekennzeichnet. In Deutschland hat Biodiesel 100% in wenigen Jahren einen beachtlichen Produktionsumfang erreicht. In Frankreich werden Mischungen mit einem Anteil von 30% Biodiesel erprobt. In den USA werden regional ebenfalls Mischungen bei einem Anteil von 20% Biodiesel eingesetzt. Für die Erzeuger bietet die Produktion von Biodiesel zunehmend eine Absatzalternative mit dem Ziel einer Verbesserung der internationalen Marktsituation bei Ölsaaten.

Die Rio-Erklärung des IOPD hat folgenden Wortlaut:

Abschluss-Erklärung
International Oilseed Producer Dialogue IOPD VI
3.-4. April 2003 in Rio de Janeiro, Brasilien

Die unterzeichnenden Teilnehmer des IOPD vom 3. und 4. April 2003 in Rio de Janeiro verabschieden folgende Erklärung:

Die IOPD-Mitglieder schließen sich den folgenden drei Elementen aus der Doha-Ministererklärung an: Marktzugang, Exportsubventionen und handelsverzerrende inländische Subventionen. Die IOPD-Mitglieder gehen davon aus, dass erfolgreiche Verhandlungen zu besseren Markterlösen für die Erzeuger von Ölsaaten und Proteinpflanzen führen.

Die IOPD-Mitglieder sind sich der Tatsache bewusst, dass die Länder in der Lage sein müssen, das Einkommen der Erzeuger bei einem Preisverfall zu stabilisieren. Die vereinbarten WTO-Disziplinen sollten umgesetzt werden, um zu gewährleisten, dass Sicherheitsprogramme den Markt für Ölsaaten und Proteinprodukte nicht verzerren.

Die IOPD-Mitglieder begrüßen den Fortschritt, der in der Entwicklung neuer Einsatzbereiche für Ölsaaten- und Proteinprodukte erzielt werden konnte, insbesondere bei Biodiesel, und fördern die dauerhafte Entwicklung dieser umweltfreundlichen Produkte.

Die IOPD begrüßt den Beitrag dieser neuen Einsatzgebiete zur Marktstabilisierung und zu höheren Preisen.

Die IOPD-Mitglieder gehen davon aus, dass der Ölsaatensektor im Verlauf der Verhandlungen erörtert wird, damit die Erzeuger von einem zunehmenden Food- und Non-Food-Markt profitieren können, der sich aus einer weitergehenden Liberalisierung ergibt.

  • Ontario Soybean Growers Marketing Board (OSG) – Kanada
  • Federation Francaise des Producteurs d’Oleagineux et Proteagineux (FOP) – Frankreich
  • Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP) – Deutschland
  • American Soybean Association (ASA) – Vereinigte Staaten
  • Brazilian Confederation of Agriculture and Livestock (CNA) – Brasilien
  • Asociacion Argentina de Productores en Siembra Directa (AAPRESID) – Argentinien
  • National Farmers Union (NFU) – Großbritannien
  • Cámara Paraguaya de Exportadores de Cereales y Oleaginosas (CAPECO) – Paraguay

Source: Pressemitteilung der UFOP vom 2003-04-09.

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