29 April 2014

Österreichische Zellstoff- und Papierindustrie: 2013 mit Mengen- und Umsatzrückgängen enttäuschend

Austropapier beklagt "unsinnige" Förderregime für Biomasse

  • 2013 – ein Jahr großer Herausforderungen
  • Produktions- und Umsatzrückgang um mehr als 3 Prozent
  • Schwacher Verbrauch der graphischen Papiere
  • Kritische Holzversorgung als Folge fehlgeleiteter Förderpolitik
  • Realisierung großer Projekte bei insgesamt geringen Investitionen
  • Forderung nach Abkehr von industriefeindlicher Rohstoff- und Energiepolitik

Rückgang von Produktion, Absatz und Umsatz

Bei ihrer Pressekonferenz legte Austropapier wenig erfreuliche Zahlen für die heimische Zellstoff- und Papierindustrie zum Jahr 2013 vor. „Der Produktionsrückgang von 3,3 Prozent auf 4,8 Millionen Tonnen ging mit einem fast ebenso hohen Absatz- und Umsatzrückgang einher. Auch die Ergebnislage kann als Folge der hohen Rohstoff- und Energiekosten nicht wirklich befriedigen“, bedauerte Wolfgang Pfarl, Präsident von Austropapier, in seinem Einleitungsstatement.

Starke Weltmarkstellung überdeckt Nachfrageschwäche

Vom Rekordjahr 2006 und dem damaligen Papier-Produktionsrekord von 5,2 Millionen Tonnen ist die heimische Industrie mit einem Ausstoß von 4,8 Millionen Tonnen weiter entfernt denn je. Bei den graphischen Papieren, deren Verbrauch durch die enorme und weltweite Verbreitung der elektronischen Medien rückläufig ist, war ein Rückgang um minus 3,6 Prozent zu verzeichnen, wobei allerdings das Absatzvolumen im Bereich Zeitungspapiere umgekehrt leicht anstieg. Hygienepapier, Spezialpapiere und Dünn- und technische Papiere sind stabil geblieben, während die Verpackungspapiere um 3,6 Prozent zurückfielen, was sich allerdings zur Gänze aus der Schließung der Wellpappepapier-Fabrik Hamburger in Frohnleiten erklärt. Die Zellstoffproduktion erreichte im Berichtsjahr 2,2 Millionen Tonnen und war damit um minus 2,0 Prozent unter dem Vorjahr.

Angesichts rückläufiger Verbräuche, insbesondere der graphischen Papiere (in Österreich minus 4,5 Prozent) war und bleibt der Export sowohl in Tonnen wie in Euro erfolgsentscheidend. Vom Gesamtumsatz der Branche von 3,9 Milliarden Euro entfallen 87 Prozent auf das Auslandsgeschäft. Mit dieser hohen Exportquote zählt Österreich weiterhin zu den stärksten Anbietern auf den Weltmärkten und stützt den österreichischen Außenhandel in durchaus beachtlicher Weise. Leider wird diese starke Stellung im Ausland durch tendenziell schwieriger werdende Rahmenbedingungen für die heimischen Standorte unterlaufen. Konsequentes Kostenmanagement wird auf Dauer den Auftrieb der kritischen Faktorkosten, insbesondere für Holz, Energie und Arbeit, nicht ausgleichen können.

Investitionen als Bekenntnis zum Standort Österreich

Im längerfristigen Vergleich liegen die Investitionen 2013 mit 140 Millionen Euro auf niedrigem Niveau. Gäbe es nicht zwei Großprojekte, einen neuen Laugenkessel in Frantschach und die Papiermaschine 2 für Spezialpapier in Pöls, würden die für diese Darstellung verbleibenden Energie-, Umwelt- und Ersatzinvestitionen ein Menetekel für unsere Industrie sein. „Für die Papierindustrie bedeutet Stillstand Rückschritt!“ erklärt Mark Lunabba, Vorstand der Laakirchen Papier AG: „Wer im globalen Wettbewerb mit dabei und möglichst obenauf bleiben will, Absatz und damit Auslastung sichern und gute Ergebnisse einfahren möchte, der braucht hohe Performance in Produktion, Qualität und Logistik und muss auf dem Stand der Technik sein. Das ist gleichbedeutend mit permanentem Re-Investment, nicht in zwangsläufig immer größere Kapazitäten, unbedingt aber verbesserte Technologien!“. Lunabba weist darauf hin, dass Konzerne in den vergangenen Jahren leider eher im Ausland investieren, was nicht zuletzt auf die hohen inländischen Faktorkosten und ungünstige Rahmenbedingungen zurückgeführt werden muss.

Gefahr der De-Industrialisierung

Max Oberhumer, Geschäftsführer der Sappi Austria Produktions-GmbH & Co KG, führt aus: „Eines der größten Probleme, mit denen wir als Branche zur Zeit kämpfen, ist die Auswirkung des Ökostromgesetzes auf unseren Rohstoffbedarf, auf das Holz. Durch die Förderung der Verbrennung von Holz wird uns dieser Primär-Rohstoff so weitgehend entzogen, dass langfristig daraus eine ernsthafte Gefährdung einzelner Standorte unserer Industrie entsteht.“ Tatsächlich mussten 2013 mangels Inlandslieferungen von Rundholz und Hackschnitzel mehr als 40 Prozent des Gesamtbedarfs importiert werden, davon rund 25 Prozent aus weit entfernten Ländern, teilweise sogar aus Übersee. Die Industrie verlangt die Überarbeitung des Ökostromgesetzes, dabei vor allem die Umstellung der Förderungen auf Investitionshilfen statt in ausufernde Grünstromtarifierung, und ein definitives Stop für weitere Großkraftwerke auf Biomassebasis. Die kaskadische Nutzung von Holz, nämlich stoffliche vor thermischer Verwertung, schafft auch volkswirtschaftlich einen nachweislich viel höheren Nutzen.

Nachhaltigkeit und Verantwortung

Die Industrie warnt vor jüngst ausgegebenen, noch ehrgeizigeren klimapolitischen Vorstellungen der EU-Kommission, wobei ein angepeiltes CO2-Reduktionsziel von 40 Prozent bis 2030 eine weitere Reduktion von 25 Prozent in nur 10 Jahren verlangen würde, was technologisch unrealistisch ist.

Hingegen hat sich Österreichs Papierindustrie in das europäische Projekt „Roadmap 2050“ aktiv eingebracht und nimmt die langfristige Ausrichtung auf eine „Low-Carbon-Industry“ ernst. Um ehrgeizige Ziele – 80 Prozent-Abbau des CO2-Ausstoßes bis 2050 – auch tatsächlich erreichbar zu machen, sind aber unterstützende politische Rahmenbedingungen erforderlich, nicht zuletzt um „break through technologies“ am Standort Europa zu entwickeln.

Kontakt
Austropapier – Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie
DI Ilse Dostal-Wanivenhaus
Tel. 01-58886-209
E-Mail: dostal@austropapier.at

Source: Austropapier, Pressemitteilung, 2014-04-24.

Supplier

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email