8 Dezember 2003

200 Jahre nachhaltige Forstwirtschaft in Deutschland

Schlechte Zeiten für die Fichte

Das Holz der deutschen Wälder gerät als nachwachsender Rohstoff zunehmend ins öffentliche Blickfeld. Und während es Ende des 18./ Anfang des 19. Jahrhunderts noch eher selten war, dass Laubbäume aufgeforstet wurden, so sollen heuer Laub- und Mischwälder die Nachteile der früher eher häufigen Fichten-Monokulturen auffangen.

Nadelhölzer galten mithin als Bodenbereiter für nachfolgende Laubholzpopulationen, aber die Sicherung der Holzversorgung und fehlende Nachfrage aus Industrie und Handwerk nach Laubhölzern führte recht bald zu einem dauerhaften Anbau vor allem von Fichten- und Kiefernbeständen.

Was nach den beiden Weltkriegen an zerstörter Waldfläche noch vorhanden war, konnte mangels Saatgutvarietäten nicht als Mischwald aufgeforstet werden. Wo also ehemals starke Eichen das Waldbild prägten, entstanden in großer Anzahl schnellwüchsige Fichtengehölze, die schon nach wenigen Jahren Erträge aus den regelmäßigen Durchforstungen liefern konnten.

Es folgten allerdings auch Einsichten in die Labilität der für das deutsche Flachland eigentlich nicht idealen Nadelbäume. Ganze Bestände fielen Stürmen oder Borkenkäferbefall zum Opfer. Diese Erkenntnisse führten letztlich dahin, die Wälder über erneute Mischaufforstung zu mehr Naturnähe und Stabilität zu führen, was den Fichtenanteil in deutschen Wäldern in den nächsten 100 Jahren von derzeit 15 Prozent auf etwa fünf Prozent reduzieren wird.

In Frage gestellt bleibt, welche Bedürfnisse unsere Nachkommen an den nachwachsenden Rohstoff Holz stellen. Ob in 100 Jahren die Holzversorgung noch gewährleistet ist, nachdem zunehmend Wälder aus der Bewirtschaftung genommen werden? Ob die heute angestrebten Mischwälder den künftigen Anforderungen gerecht werden können?

Auf keinen Fall sollte die nachhaltige Waldbewirtschaftung, wie sie in Deutschland seit 200 Jahren praktiziert wird, unterschätzt werden. Sichert sie doch langfristig sowohl die Holzversorgung von Industrie und Bevölkerung als auch die Wellnessfaktoren des Waldes zur Erholung und Entspannung – von den ökologischen Gesichtspunkten wie Klima oder Wasserqualität einmal ganz abgesehen.

Source: Ostsee-Zeitung vom 2003-12-05.

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